Path:
VIII. Im Strom des Lebens

Full text: Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde / Voigt, Wilhelm (Public Domain)

7 
4 
Meine Zeit war beschränkt, so erkundigte ich mich 
nicht weiter auf dem Polizeimeldeamt, sondern verließ 
Berlin und trat in Erfurt in meine neue Stelle ein. 
Wie schon erwähnt, hatte mein Handwerk eine 
große Wandlung erfahren. Der amerikanische Betrieb 
war allgemach eingeführt, vorläufig aber mangelte es 
an Arbeitern, die dem neuen Betrieb gewachsen waren. 
Deshalb hatte ich beschlossen, mich für das Maschinen— 
fach in diesem Betriebe auszubilden und unter dieser 
Voraussetzung meine Stellung in Erfurt angenommen. 
Ich lebte mich dort bald ein, hatte bald eine recht 
angenehme Stellung im Geschäft und unter den Kollegen 
und Freunden und ging später nach Eisenach, wo es 
mir ebenfalls recht gut gefiel. Dann kam ich unter 
sehr günstigen Bedingungen in einer Fabrik in Prag 
an und lernte so wieder ein ganz neues Stück der 
Welt, in der Stiefel fabriziert werden, kennen. Dort 
verkehrte ich viel und gern in jüdischen Kreisen. 
Meine nächste Arbeits- und Lebensetappe sollte Wien, 
die Stadt an der schönen blauen Donau, heißen. Doch 
wurde daraus so gut wie nichts. Mir wurde mein Recht 
nicht und ich ging weiter nach Budapest und von dort 
nach Jassy, aber auch dort war meines Bleibens nicht. 
In Odessa, wo ich ebenfalls in leitender Stellung tätig 
war, hatte ich sehr erfreulichen Umgang. Ich war zwei 
Monate dort, als ich eines Abends beim Spaziergang 
von einem russischen Offizier bei meinem Namen an— 
gerufen wurde. 
Ich konnte ihn nicht gleich erkennen, und da im 
allgemeinen die russischen Offiziere ziemlich exklusiv zu
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.