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VI. In der "Sonne"

Full text: Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde / Voigt, Wilhelm (Public Domain)

Wünschen und Hoffnungen, den wirtschaftlichen Ver— 
hältnissen einer großen Masse der Bevölkerung, welche 
den verschiedensten Schichten angehörte, vom Fabrikanten 
und Rittergutsbesitzer bis herunter zum bescheidensten 
Arbeiter, bekannt und vertraut wurde. Wenn es mir 
in meinem späteren Leben verhältnismäßig leicht wurde, 
mich sofort in die Umstände und den Gedankengang 
der vor mir Stehenden hineinzufinden, so muß ich das 
immer auf diese Jahre schwerer Geistesarbeit zurück— 
führen. 
Durch diese Tätigkeit gewann ich aber auch einen 
gewissen Einfluß sowohl nach oben wie nach unten, und 
es würde sich wirklich ein ganz angenehmes Verhältnis 
herausgebildet haben, wenn nicht der Verlust der persön— 
lichen Freiheit immer wie ein schwerer Druck auf mir 
gelastet hätte. 
Kurz nach Antritt meiner Strafe in Sonnenburg 
hatte ich auch einen Besuch meines Vaters, der bei 
meiner Schwester in Köln gewesen war und auf dem 
Rückwege bei mir vorsprach. 
Stand ich auch in diesem Augenblicke gedemütigt 
vor ihm mit einem gewiß schweren Verschulden, so konnte 
ich doch auch jetzt nicht über das hinwegkommen, was 
meine Jugend zerstört hatte und woran er erheblich 
mit beteiligt war. 
Auch diese Stunde ging, wie viele in meinem Leben, 
vorüber. Für mich ist sie für mein ganzes Leben eine 
traurige geblieben. 
Wenige Jahre später traf mich nun das herbste 
Geschick, was einen Menschen in meiner Lage treffen
	        
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