Path:
V. Lebendig tot

Full text: Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde / Voigt, Wilhelm (Public Domain)

37 
Blick, den ich von meiner Mutter empfangen habe, 
war voll unendlicher Liebe und Güte. 
Ich habe sie nie wieder von Angesicht zu An 
gesicht gesehen. 
Meine jüngere Schwester, von welcher ich in Tilsit 
Abschied nahm (sie war damals elf Jahre alt), war, 
nachdem sie die höhere Töchterschule in Tilsit absolviert 
hatte, ebenfalls nach Köln zu meiner Cousine gezogen, 
und dadurch war auch für mich der Briefwechsel mit 
meiner Familie, besonders mit meinen Eltern, sehr 
erschwert. 
Inzwischen war durch Gesetz festgelegt, daß die 
Isolierhaft für den einzelnen Gefangenen nicht länger 
als drei Jahre dauern dürfe. Auf Grund dieses Gesetzes 
fand meine Versetzung in die Strafanstalt Sonnen— 
burg statt. 
Aus meinen geschichtlichen Studien während meiner 
Haft ergab sich für mich als Resümee, daß Gewalt 
allemal vor Recht geht, und daß der Begriff „Recht“, 
wie man ihn auch auffaßt, in Wirklichkeit eine reine 
Idee, d. h. illusorisch ist. So ergicbt icb denn aus 
der erlangten Gewalt (oie— ccit) allemal 
ein Rechtszustand, der solange Er!! na hat, als die 
gegenwärtige Gewalt besteht.
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.