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XXII. Am Tage des Gerichts

Full text: Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde / Voigt, Wilhelm (Public Domain)

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denn ich hätte den ganzen Staatsorganismus in Trüm— 
mer geschlagen! Ich fand diese Ausdrucksweise etwas 
eigentümlich! Ich, der bescheidene Mann, der fried— 
lich seines Weges dahinzieht, dem jede Gewalttat in 
seinem Leben ferngelegen hat, mit zehn Gardesoldaten, 
drei Gendarmen und zirka sieben Polizeibeamten die 
ganze Staatsordnung in Trümmer geschlagen!! 
Ich habe ihm nichts darauf geantwortet und mir 
nur das Entsprechende dabei gedacht. 
Weiter fuhr er fort, mich und meine Auslassungen 
zu widerlegen, und zwar in einem neuen merkwürdigen 
Satze. 
Er behauptete, wenn es mir nur um einen Paß 
zu tun gewesen wäre, dann hätte ich nicht nach Köpe— 
nick zu gehen brauchen, den hätte ich mir in der ersten 
hesten Kaschemme holen können. 
Das heißt, der Mann, der mich jetzt eben wegen 
Urkundenfälschung zur Verantwortung ziehen will, zeigt 
mir einen Ausweg, der, wenn ich ihn betreten hätte, 
mich doch wohl gleichfalls zum Urkundenfälscher gemacht 
hätte! 
Das ist nun allerdings ein sehr eigenartiges An— 
sinnen, um so mehr, da mir die Kaschemmen gänz— 
lich unbekannte Orte sind, und ich mich erst beim Herrn 
Staatsanwalt hätte erkundigen müssen, was darunter 
zu verstehen ist und was da etwa für mich zu holen 
gewesen wäre. 
Zum Schluß beantragte er eine Strafe von fünf 
Jahren Zuchthaus.
	        
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