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XXI. In Untersuchung

Full text: Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde / Voigt, Wilhelm (Public Domain)

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veranlaßten, meine Angelegenheit in einem etwas gün— 
stigeren Lichte zu betrachten. 
Nur sehr wenige versuchten ihren faulen Witz an 
mir, und es gewährt mir heute noch einen Genuß, die 
Zuschriften dieser wenigen zu lesen und mit dem End— 
ergebnis zu vergleichen. Da ich die Geldmittel nicht 
besaß, um mir einen Rechtsbeistand zu leisten und mir 
von Amts wegen auch keiner gestellt wurde, hatte ich 
mich mit dem Gedanken befreundet, meine Sache selbst 
zu vertreten. Sie war ja in der Tat auch einfach ge— 
nug, denn für mich sprachen alle Begleitumstände, und 
mir ist es nicht schwer geworden, meine Sache zu führen. 
Dessenungeachtet stellten sich ein paar anerkannt 
tüchtige Rechtsanwälte an meine Seite; ich hätte ihnen 
gewünscht, daß sie eine verwickeltere Sache in die Hände 
bekommen hätten. 
Aus naheliegenden Gründen wurde die Führung 
dieser Untersuchung seitens der Justizbehörde soviel wie 
möglich beschleunigt, um meine Angelegenheit nur erst 
einmal aus der Welt zu schaffen. Das schon deswegen, 
weil mancherlei Mängel sowohl in der Rechtsprechung, 
wie auch im Strafvollzug dabei ans Licht kamen. — 
Ich war damals körperlich leidend, was bei den 
vielen Aufregungen meines Lebens erklärlich ist, und 
vermochte so manches nicht zu ermitteln und festzustellen, 
was meine Sache erheblich verbessert hätte. Ich ver— 
ließ mich hier ganz auf die reelle Führung meiner 
Sache durch die Rechtsanwälte und widerstrebte auch 
der baldigen Verhandlung nicht. So kam der 1. De— 
zember heran.
	        
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