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XIX. Der Kassensturz

Full text: Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde / Voigt, Wilhelm (Public Domain)

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bat mich an den Tisch zu treten, auf dem er die Tages— 
kasse im Betrage von 4000 Mark aufgezählt hatte. 
Dabei ersuchte er mich, ich sollte die Kasse über— 
nehmen! 
Ich war ganz erstaunt darüber, denn ich hatte mit 
keinem Worte und mit keiner Silbe geäußert, daß ich 
die Kasse übernehmen wollte. Sie wäre ohne diese 
Übergabe ruhig in Köpenick geblieben. Darauf legte 
mir der Rendant einen Schein vor und bat mich, den— 
selben zu unterschreiben. 
Sowohl der Rendant wie ich waren über den Zweck 
dieses Scheines, der gleichen Ansicht. Er wünschte näm— 
lich, einen Revers darüber zu haben, daß der Kassen— 
bestand richtig vorhanden war, und ich wollte ihm be— 
scheinigen, daß es so sei. Es war das eine rein for— 
melle Sache, der ich bis hierher noch gar keine weiter— 
gehende Bedeutung beilegte. 
Ich nahm also die Feder, bescheinigte, wie ich 
glaubte, den Bestand, und unterzeichnete monogramm— 
mäßig mit meiner augenblicklich angenommenen Charge. 
Ich wollte eben den Kopf zurückheben, als mein Auge 
auf die Überschrift des Scheines fiel. Da bemerkte ich, 
daß dort das Wort „Quittung“ stand. 
Das änderte die Sachlage. 
Wenn ich eine Quittung resp. Empfangsbeschei— 
nigung ausstellte, dann war ich auch für den Verbleib 
des Geldes verantwortlich. 
Ich war nun zuerst schwankend. Doch mußte ich 
ja zu der Erwägung gelangen, daß ich das Geld nicht
	        
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