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XXV. Feuer! Feuer!

Full text: Gold! / Hyan, Hans (Public Domain)

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Jungfräulichkeit beklagten. Und trunktsüchtige, vom 
Laster zerfrefsene Weiber sah er daherschwanken, deren 
einst blühendes Leben er hinabgestoßen hatte in den 
Abgrund der Schande und des kiefsten Elends. Auch 
suchten ihn die Schatten der Verstorbenen heim, von 
Frauen, die der Tod erlöst hatte von ihrem schmutzigen, 
derachteten Dasein, und die Seelen der Abgeschiedenen 
grinsten zu ihm herüber und zeigten hohnlachend auf 
das Bildnis feiner Nanny, der am Ende eines schimpf⸗ 
lichen Lebenswandels vielleicht ein ebenso trostloses 
Ende beschieden mar. 
Dann hielt cs Herr Kretschmar in seinem Bett 
nicht mehr 6ue Sprone heraus und schritt ruhelos 
auf und ab. 
Heut — — ieder nicht ruhen — kam ihm 
auf einmal dien, hinab zu gehen ins Kontor 
und ein Geschöft zu redressiren, das er bereits abge— 
schlossen hatte, eines jener fluchwürdigen Geschäfte, 
an denen er seit vielen Jahren straflos en ver⸗ 
dient hatte. 
Diese „Kistenlieferuigen“, wie sie in der Kunst— 
sprache genannt wurden, baunerten unter den Augen der 
Behörde, die nur in gauz seltenen Fällen einmal einen 
der Herren Lieferanten beim Kragen packte, fort, und 
die armen Mädchen, welche man ünter der so harmlos 
klingenden Bezeichnung als „Kisten“ nach Rußland 
und den Balkanstaaten verschickte, hatten fast alle das— 
selbe traurige Schicksal. Sie verkamen in einem der 
dortigen Bordelle oder wurden im Glücksfalle nach der 
Türkei weiter verschachert, wo sie vielleicht im Harem 
als die so und so vielte Frau des Herrn Paschas 
figuriren durften. 
Theophil Kretschmar war lange Zeit in einer der— 
artigen „Agentur“ in Rußland gewesen. Und dorthin 
hatte er auch Maria Anna Petersen, die jetzige Gräfin 
von Berghorst, verlockt. Seit längerer Zeit machte 
er solche Geschäfte seltener, aber gerade jetzt war ihm 
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