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XIX. In der Penne

Full text: Gold! / Hyan, Hans (Public Domain)

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„Hören Sie mal, lieber Graf,“ sagte der Schrift— 
steller jetzt auch sehr ernst, „ich bin nicht neugierig, 
aber mit dem, was Sie da sagen, spannen Sie einen 
ja förmlich auf die Folter .. 
Der Graf schien garnicht auf ihn zu hören. End— 
lich sagte er: 
„Rein, so was! ... Ich bin ja auf viel gefaßt 
gewesen, aber ... eine direkte Dirne ...“ 
„Was? was sagen Sie da? ... Hören Sie mal, 
Denghrbester— Sie sollten doch ein bischen vorsichtiger 
ein!“ 
Der Graf sah sein Gegenüber, in Nachdenken ver— 
sunken, eine Zeit lang an. Dann seinen blonden 
Schnurrbart, an dem er nagte, loslassend, sagte er 
ganz ruhig: 
„Da kann von Vorsicht gar keine Rede sein. Die 
Gräfin Maria Anna von Berghorst ist zwei Jahre 
lang die Insassin eines Freudenhauses in Moskau ge— 
wesen, von dort hat ein russischer Fürst sie mitgenom— 
men, und dessen immensen Reichtum hat sie später 
geerbt. Vorher soll sie einen Freund gehabt haben, 
der, wenn ich mich recht erinnere, Fred Hunter hieß 
und der Häter auf Staatskosten erhalten wurde— 
im Zucht“58 nämlich. Das junge Mädchen, das jetzt 
bei ihr — das sie als ihre Nichte ausgiebt, ist 
eigentlich zre Tochter ... Der Papa ist jedenfalls 
unbekannt ... Genügt Ihnen das, oder wollen Sie 
noch mehr hören. 
Der Schriftsteller konnte sich lange Zeit gar nicht 
fassen. Als toleranter Mensch verschmähte er es nicht, 
mit dem Grafen, dessen Heiratgeschichte ihn allerdings 
stark verschnupft hatte, gelegentlich zusammen zu kom— 
men. Daß er jedoch — vor von Ve haben 
sollte, war nicht gut von ihm zu verlangen. 
Anders mit der Gräfin. Einmal war sie eine 
Frau. Eine Frau, die sich allerdings eines nicht sehr 
sauteren Mittels bedient hatte, um einen hohen Titel
	        
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