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XVI. Ein Rendez-vous wider Willen

Full text: Gold! / Hyan, Hans (Public Domain)

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den ganzen Nachmittag über bei mir war .... Ach, 
Herr Kommissar!“ 
Käte schluchzte herzbrechend. 
„Ich habe keine ruhige Stunde mehr, daß ich nicht 
schon früher daran gedacht habe und nicht längst her— 
gekommen bin, um Ihnen das zu sagen und den armen 
Max frei zu machen. Und jetzt, da er doch tot ist und 
es ihm nicht mehr schaden kann, will ich Ihnen 
auch noch etwas anderes mitteilen: Ein paar Tage, 
nachdem meine heiden Brüder gefänglich eingezogen 
waren, kam ein Mensch zu mir, der sich Emil Paschke 
nannte. Der hat mir einen Brief von Max gebracht. 
In dem bat er mich, ich sollte doch einen Koffer ab— 
holen, von wo er gewohnt hat, und vielleicht auch 
etwas Geld für ihn einzahlen. Ich könnte mich heilig 
und fest darauf verlassen, daß er an der Geschichte 
mit dem Pfandleiher unschuldig sei, und es würde auf 
keinen Fall lange dauern, bis er wieder herauskäme. 
... Sehen Sie, Herr Kommissar, wo ich mir mein 
Brot auf anständige Weise verdiene und nie etwas 
mit dem Gericht zu tun gehabt habe, da ist es natür— 
lich nicht angenehm in solchen Sachen mit vorzukommen. 
Besonders als Schwester von einem, der unter dem 
Verdacht steht, es geian zu haben. Und dann sagte 
ich mir, wenn mein Bruder so zuversichtlich schreibt, 
dann wird er auch schon bald wieder herauskommen, 
sonst hätte er gewiß gebeten, daß ich irgend etwas 
Günstiges über ihn aussagen sollte ... und so dachte 
ich, daß es das beste wäre für uns alle beide, wenn 
ich mich garnicht hineinmischte. Ich dachte auch gar 
nicht mehr daran, daß er damals den Nachmittag über 
bei mir gewesen war .... heute, wo es zu spät ist, 
fällt es mir erst wieder ein.“ 
Ihre Worte erstarben abermals in dem hervor— 
brechenden Tränenstrom. 
Der Kommissar war ebenfalls tief erschüttert. Er 
tröstete Käte so gut er konnte, sagte ihr, daß auch er
	        
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