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XV. Brennende Herzen

Full text: Gold! / Hyan, Hans (Public Domain)

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Und je mehr sie selbst ihr eigen nannte, desto 
größere Ansprüche durfte er erheben, im Falle es ihm 
gelang, sie bei der Scheidung als den schuldigen Teil 
hinzustellen. 
Deshalb hatte er sie darauf aufmerksam gemacht, 
daß ihre Anlagen bei Hattenheim Söhne und der 
„Deutschen Hypotheken-Gesellschaft“ nicht mehr so sicher 
schienen, wie früher. 
Und die Gräfin, deren außerordentlich behender 
Geist mit verblüffender Leichtigkeit selbst die geringste 
Andeutung erfaßte und die ihren Reichtum, wenn auch 
nur als Machtmittel, leidenschaftlich liebte — diese 
ebenso kluge als energische Frau hatte nicht einen 
Augenblick gezögert, die Pfandbriefe, die sie fast im 
Werte einer Million besaß, durch ihren Agenten ver⸗ 
kaufen zu lassen und gleichzeitig ihre Depots bei 
Hattenheim Söhne, welche sich auf verschiedene Millionen 
bezifferten, à jour zu kündigen. 
Das waren die Sorgen des Bankiers, die jetzt 
zwar weggewischt schienen von seiner breiten „Mathe— 
matikerstirn“, die aber weiter fraßen in seinem 
Herzen. 
Das Gerücht, das ihm diesen Verlust verschafft 
hatte, mußte auch schon weiter um sich gegriffen haben, 
denn seit Tagen wurden die Papiere der „Hypotheken— 
Gesellschaft“ fort und fort auf den Markt geworfen, 
und trotzdem er eine Gegenmine gelegt und — was 
ein Verbrechen war — die Pfandbriefe mit dem eigenen 
Gelde der Gesellschaft ankaufte, so konnte, wenn das 
so weiter ging, ein rapider Courssturz des Papiers 
in der allernächsten Zeit nicht ausbleiben. 
Unter anderen Umständen hätte er der Einladung 
ju dem heutigen Fest, die ihm bereits vor diesem Ge— 
schäftsabbruch von Seiten der Gräfin zugegangen war, 
nicht Folge geleistet. Aber der Drang, etwas aus 
dem Munde der Gräfin selbst über ihre Gründe zu 
solchem Schritt zu erfahren, der war zu mächtig in
	        
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