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XIII. Die Ehe auf Zeit

Full text: Gold! / Hyan, Hans (Public Domain)

Sie nahm die Sert⸗ Ferang, augenscheinlich ganz 
ohne sich dessen beuaegzt zu sein, von ihrem Schreib— 
sessel aquf und sagt 
„Jawot! . . egen Sie dem Herrn bitte, ich 
wäre sofort für ihn zu sprechen 
Ihre vorher ein wenig bleichen Wangen hatten 
sich gerötet, in den dunklen Augen loderten Freuden— 
feuer und in jedem Zuge ihres Wesens lag die hoffnung— 
volle Erwartung eines ersehnten Augenblicks. 
Graf Gert v. Berghorst war der Allerklügste nicht. 
Aber er besaß immerhin genügend Intelligenz, 
um diese so auffällige Veränderung an seiner hohen 
Gemahlin nicht zu uübersehen. Und mit der scharfen 
Kombinationgabe dessen, der einen verzweifelten Kampf 
um Dinge kämpft, die er unter jeder Bedingung nötig 
hat, mit der kaltblütigen Entschlossenheit des Mannes, 
der sein Zartgefühl längst Schweigen gelehrt hat zu 
Gunsten einer verwegenen Dringlichkeit, beschloß er. 
nicht von der Fahne zu weichen und die offenbare 
Unruhe und Ungeduld der Gräfin für sich auszubeuten. 
Mit einer lebemännischen Geste ließ er sich wieder in 
den Sessel fallen und sagte, förmlich durchtränkt von 
Spott und Hohn: 
„Sie fragten, meine Gnädige ob ich Ihnen sonst 
noch etwas mitzuteilen hätt. tn, etwas Beson— 
deres liegt ja gerade nicht vr 2.. immerhin 
erscheint es mir doch als außerordentlich natürlich, daß 
sich zwei so jung verheiratete Eheleute wie wir nicht 
sofort wieder trennen, nachdem Ihre Pariser Reise uns 
gezwungen hat, wochenlang einander fern zu bleiben. 
. Ich wenigstens muß gestehen, daß ich den Augen— 
blick lebhaft herbei gewiinscht habe, wo es mir vergönnt 
ist, in Ihr schönes Gesicht zu blicken und Ihre Lippen 
sich zu den klugen Worten auftun zu sehen, die man 
von Ihnen stets zu hören gewohnt ist .“ 
Maria Anna v. Berghorst tobte innerlich. Dieser 
Mensch hatte sie durchschaut! Er fühlte, daß sie jetz
	        
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