Path:
VII. Der Blutrubin

Full text: Gold! / Hyan, Hans (Public Domain)

wichen, ja bisweilen lag jene siegessichere Zupersicht 
über seinen „igen, die selbst das e einmal zu 
überwinden hafst. 
In seinen materiellen Verhältnissen hatte sich durch 
den Zusammenschluß mit Lisbeth Ellermann eine ent— 
schiedene Besserung vollzogen. Vor allen Dingen hatte 
er die Wohnung aufgegeben und seine armseligen 
Habseligkeiten neben die Kiste gestellt, in der die Sachen 
des Mädchens lagen. Und nun zahlten sie von den 
70 Mark, die sie zusammen verdienten, gemeinschaft— 
lich die 122 Mark Miete, und mit dem übrigen wußte 
sich Lisbeth, die wie die meisten Frauen sehr sparsam 
war, ganz nett einzurichten. Frühmorgens machte sie 
eine Anzaähl Butterbrode zurecht, die, mit billiger Wurst 
oder Käse belegt, Frühstück, Mittagbrot und Vesper 
zugleich darstellen mußten. Dazu kochte dann August, 
der Lehrling, im Geschäft etwas Kaffee, und während 
der Mittagstunde, in der Kretschmar stets abwesend 
war, lachten und plauderten sie lustig, und taten so, 
als ob sie ein Millionärsdiner von goldenen Schüsseln 
einnähmen. 
Entweder auf dem Nachhausewege oder gelegent— 
lich einer Besorgung kaufte Lisbeth die bescheidenen 
Vorräte ein, mit denen sie abends ein warmes Nacht— 
mahl zubereitete. Und diese gemeinsamen Mahlzeiten 
in dem kleinen Stübchen der Ackerstraße erfüllten ihr 
Herz mit immer neuem Entzücken. Philipp schimpfte 
zwar oft über die schlechte Bezahlung und die schand— 
bare Ausbeutung, deren Opfer sie beide waren, aber 
Lisbeth Ellermaunn hatte darauf für gewöhnlich keine 
andere Erwiderung, als daß sie sagte: 
„Was willst du denn? Wir haben eine Wohnung 
und zu essen und trinken haben wir auch ... Vor— 
läufig halten unsere Sachen noch, und wenn wir andere 
brauchen, wirst du oder ich versuchen, etwas zu ver— 
dienen ... ich bin ganz glücklich so wie es jetzt ist 
und ich habe ue Sie eine Angst, daß eines Tages
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.