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VII. Der Blutrubin

Full text: Gold! / Hyan, Hans (Public Domain)

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und verzehrte seine geringe Kraft damit, diesen Sturm 
der Angst und des Entseßzens, der sein Inneres durch— 
tobte, äußerlich zu maskiren. 
An solch einem ee da der Agent ihn wieder 
bis aufs Blut gepeinigt hatte, da er mg daran gewesen 
war, mit wildem eeee sein Geheimnis preis 
zu geben — an dem Abend dieses Tages fragte er 
Lisbeth Ellermann, ob sie nicht zusammen bleiben und 
zusammen wohnen wollten. 
Sie hatten sich bisher nicht einmal geküßt. Und 
alle ihre Zärtlichkeiten hatten in dem mitleidigen Ton 
bestanden, mit dem eins das andere nach seinen 
Kümmernissen fragte. 
Und das Mädchen errötete auch nicht einmal, als 
der kleine Mensch ihr diesen Vorschlag machte, sie 
überlegte nur länger das Für und Widcer. 
Sie hatte ihn gern und fühlte sich zu ihm hinge— 
zogen. Aber ihr wie so vielen anderen war doch ge— 
lehrt worden, man dürfe mit einem Manne erst zu— 
sammen wohnen, wenn Altar oder Standesamt das 
ihrige dazu getan hätten. Nicht die Scheu vor dem 
Manne war es, die sie Bedenken tragen ließ, sondern 
das ererbte und anerzogene Vorurteil gegen die freie, 
völlig selbständige Vereinigung der Geschlechter. 
Da legte er, mehr wie ein bittender Knabe als 
wie ein leidenschaftlich fordernder Geliebter, den Arm 
um sie, die ihn um Kopfeslänge überragte, und flü— 
sterte mit halb erstickter Stimme: 
„Sag', magst du mich denn nicht leiden?“ 
Sie sah ihn an, lange und mit einem sanften 
ebn und dann bog sie sich hernieder und küßte 
ihn. 
Es kam jemand aus dem Hause heraus und ging 
an ihnen vorbei, aber sie achteten dessen nicht. Sie 
blieben bei einander stehen und redeten leise mitein— 
ander und schütteten ihre Herzen voll Iee 
gegenseitig aus, und ab und zu reckte er seinen Kopf
	        
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