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Charlottenburg als Sommerfrische der Berliner

Full text: Berlin im Wandel der Zeiten / Krieger, Bogdan (Public Domain)

Charlottenburg als Sommerfrische der Berliner. 
ach der Abschweifung in den Tiergarten wollen wir nunmehr unsere Wanderung 
N Westen fortsetzen oder besser, da es zu Hofe geht, uns dem Gefolge der 
Kurfürstin Sophie Charlotte anschließen, die auf ihren Ausfahrten jenseits des 
Tiergartens auch bis zum Dorf Lütze oder Lützow gekommen war. Dieses war bis zum 
Jahre 1558 Eigentum des Nonnenklosters in Spandau gewesen. Die Nähe von Berlin 
ieß in ihr den Wunsch entstehen, sich hier ein kleines Lustschloß zu erbauen und statt dessen 
auf ihr Anrecht auf das ihr 1690 von ihrem Gemahl überwiesene Haus und Gut Caputh 
zu verzichten, „dessen Pläsier und Divertissement sie wegen der fernen Abgelegenheit von 
Berlin doch nicht nach Wunsch und Verlangen genießen könne“. Am 30. April 1695 
wurde Kurfürstin Sophie Charlotte Besitzerin des Dorfes Lützow und des Vorwerks 
Ruhleben. Der Bau des Schlößchens wurde unter Leitung des Oberhofbaudirektors 
Nering sofort in Angriff genonmen. Die alljährlich ausgesetzte, verhältnismäßig ge⸗ 
ringe Bausumme gestattete nur ein langsames Fortschreiten des Baues, um den 
der von Sophie Charlotte durch Vermittlung ihrer Base, der Herzogin von 
Orleans, geborenen Prinzessin Elisabeth Charlotte von der Pfalz, aus Paris be— 
orderte Gärtner Simeon Godeau unter Hinzuziehung des berühmten Gartenkünstlers 
Ludwigs XIV., Le Nötre, zur gleichen Zeit in französischem Stil einen Park anlegte. 
Das zur Lützowschen Gemarkung gehörende Vorwerk Ruhleben überließ die Kurfürstin 
ihrem Oberhofmeister Freiherrn von Dobrzenski, da sie mit ihren Geldmitteln nicht 
instande war, auch dort Haus und Garten herzurichten. Hatte sie doch im Jahre 1097 aus 
hrer eigenen Tasche 2000 Taler zum Weiterbau ihres Schlosses beisteuern müssen. Erst 
ach Danckelmanns Sturz, an dem die Kurfürstin stark beteiligt war, flossen die Mittel 
zur besseren Avancierung ihres Lützenburgschen Baues“ so reichlich, daß eine Erhöhung 
des Gebäudes um ein Zwischenstockwerk in Angriff genommen und an eine Bekrönung 
des Schlößchens durch eine Kuppel gedacht werden konnte. Den Kuppelbau ließ man wieder 
allen und beschränkte sich auf ein hohes, flaches Dach. Der Umbau wurde nach Schlü— 
ters Plänen ausgeführt, der 1694 als Bildhauer in den Dienst des Kurfürsten Friedrich 
zetreten war. Das ursprüngliche Aussehen der Hofansicht des Schlosses zeigt das hier 
wiedergegebene Bild. Zur Erläuterung desselben sei bemerkt, daß der Empfangsraum 
im Erdgeschoß des Mittelbaues eine offene Halle war, an die sich mit einer elliptischen
	        
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