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Der Tiergarten

Full text: Berlin im Wandel der Zeiten / Krieger, Bogdan (Public Domain)

der sich später Giacomo Meyerbeer nannte. Wir dachten seiner als Bürgers von 
Berlin bereits bei Besprechung der Linden. Bei der Verbreiterung der Zelten-Allee 
wurde im Jahre 1877 das Beersche Haus, das inzwischen in anderen Besitz überge— 
gangen war, abgebrochen. Auf dem Gelände desselben entstand ein protziges Privat- 
haus, in dem vorübergehend der Erbprinz von Sachsen-Meiningen, der letzte regierende 
Herzog, zur Miete wohnte. 
In dem der Beerschen Sternwarte gegenüberliegenden Winkel des Exerzierplatzes 
an den der Stadtmauer folgenden Kasernen, der heutigen Sommerstraße, stand ein 
Zirkus. An der Stelle des Reichstagsgebäudes stand die 1767 für das Regiment 
Prinz Friedrich erbaute Kaserne, die 1809 zum Garnisonlazarett eingerichtet und später, 
853 bis 1870, als Oberfeuerwerkerschule benutzt wurde. Ihren Namen trägt die Straße 
nach dem Hofzimmermeister und Stadtrat Sommer, der dort Mitte der vierziger Jahre 
des vorigen Jahrhunderts mehrere Häuser baute. Die Bauten wurden während der 
Abwesenheit König Friedrich Wilhelms IV. von Berlin nach dem Attentat des Bürger⸗ 
neisters Tschech im Jahre 1844 begonnen. Als der König wieder nach Berlin zurück— 
kehrte, fielen ihm die das Brandenburger Tor bedrückenden Gebäude unangenehm auf. 
Stüler, der nicht nur Geheimer Oberbaurat, sondern auch „Architekt Seiner Majestät 
des Königs“ war, wurde beauftragt, mit Sommer wegen Abstellung dieser Unstimmig- 
keit in Verhandlung zu treten. Der Auftrag war ein mißlicher, da er den Entwurf 
für ihn gemacht hatte. Es gelang ihm, seinen Auftraggeber zum Abbau der Baulich— 
keiten zu bestimmen. Der König ließ Sommer zu sich kommen, um ihm für sein ver— 
ständnisvolles Entgegenkommen zu danken und stellte ihm anheim, sich einen Gegen— 
dienst zu erbitten. Der Herr Stadtrat bat, die häßliche, seine Häuser vom Tiergarten 
trennende Stadtmauer fallen zu lassen. Diesem Wunsch konnte der König nicht will— 
fahren. „Die Stadtmauer verteidigt der Fiskus, gegen den wir beide mit unsern ver— 
einten Angriffen nichts ausrichten würden.“ Sommer erhielt den Noten Adlerorden. 
Im Jahre 1859 beantragte der Stadtsyndikus Le Brun die Straße nach Sommer zu be— 
aennen, „da er die meisten Häuser doch selbst gebaut und die Straße durch Bepflanzung 
— 
gegeben. 
Der bereits erwähnte Zirkus war im Jahre 1821 mit königlicher Genehmigung von 
dem Zimmermeister G. F. Nichter erbaut worden. Der Rundbau trug eine Laterne, durch 
die das Licht einfiel; der Eingang war am Brandenburger Tor. Im oberen Stockwerk 
der Eingangshalle befand sich die Hofloge. Rechts schloß sich ein kleineres Theater 
für pantomimische Darstellungen an. Die Eröffnung fand am 21. August mit einer 
Ausstellung der „großen Königlichen Menagerie aus London“ statt. Das „hochzuver— 
ehrende“ Publikum wurde von Herrn Touriaire „ergebenst benachrichtigt“, daß diese 
Menagerie der „allerseltendsten“ Tiere nur bis zum 27. August hier bleibe. An die sem 
Tage machte der Besitzer bekannt: „Mit Vergnügen ergreife ich immer gern jede 
Gelegenheit, den Wünschen Eines hochgeehrten Publikums nachzukommen, und wird 
daher die Menagerie noch 4 Tage zur Schau hier bleiben.“) Nach Alexrander Cosmars 
xRMNach Terdinand Mever, Der Berliner Tiergarten. Berlin 1892
	        
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