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Der Tiergarten

Full text: Berlin im Wandel der Zeiten / Krieger, Bogdan (Public Domain)

Den Gesamtzweck seines Unternehmens faßt Heinzelmann in nachstehenden Versen zu⸗ 
sammen; Natur soll hier mit Kunstgebilden 
Sich eng' vereinen fort und fort, 
Es gleiche himmlischen Gefilden, 
An Schönheit dem elys'schen Ort. 
Es wechseln Fahrten, Scherz und Freuden 
Mit Tanz, Konzert, Theaterspiel, 
Und alle Musen sollen zeugen, 
Daß es den Göttern selbst gefiel. 
Ein Zeitgenosse, der diesen „Clou“ Berlins aus Anlaß eines Frühkonzerts im Jahre 
1833 aufsuchte, hatte den Eindruck, die Anlage sei für den Berliner der mittleren 
Stände zu großartig. „Die Berliner Industrie des Vergnügens ist unerschöpflich in 
Etablissements, die die Menge anziehen sollen. Aber man wendet zuviel an die— 
selben, mehr als die Mittelklasse und die Beamten mit 800 Talern zahlen können. 
Tivoli und Elysium haben das erfahren. Herr H(einzelmann), der das letztere 
Institut ins Leben rief, hat zuletzt die königliche Gnade ansprechen müssen, daß es ihm 
gestattet werden möge, nachdem Fahrbahn, russische Schaukel, Darstellungen von Schau— 
tänzen, Wasserfeuerwerke und andere interessante Dinge nicht ausgereicht hatten, ein 
Sommertheater in seiner Entreprise zu errichten. Der König, der sonst mit Erteilung 
von Theaterkonzessionen nicht freigebig ist, hat dem Gesuche H.s Gehör gegeben. 
Der Berliner liebt die Veränderung und die Vergnügen dürfen ihn nicht viel kosten. 
Dabei ist er wenig materiell. Die feine Welt trinkt Kaffee und Tee, der Mittelstand 
Weißbier. Was kann dabei für Unternehmungen herauskommen, die mit vorzüglicher 
Eleganz und mit einem Luxus ausgestattet sind, der bedeutende Depensen verursacht? 
Elysium — allenthalben wird die Poesie, die Mythologie und das Altertum in Berlin 
bei dergleichen Entreprisen zu Nate gezogen — ist ein Institut in jenem Sinne. Ein 
großer, schöner Garten mit sehr mannigfachen Anlagen und Räumen für ein zahl— 
reiches Publikum, ein großer Gesellschaftssaal, ein prachtvoller Ballsaal mit doppelten 
Galerien, Vorrichtungen zu Vergnügen aller Art und dabei ein Publikum, das sehr 
ökonomisch verfahren muß — denn die Gesellschaft der höheren Stände hält sich von 
allen Entreprisen der Art entfernt — es kann nicht fehlen, daß sich hier kein Verhältnis 
der Einnahme zur Ausgabe herausstellt.“ 
Aber nicht das allein war schuld an dem Scheitern aller schöner Hoffnungen, die Heinzel⸗ 
mann auf sein „irdisches Paradies“ gesetzt hatte. Im Jahre 1831 herrschte die Cholera in 
Berlin und zog allerlei Stockungen des geschäftlichen und gesellschaftlichen Lebens nach sich 
und zwei Jahre später wurde das ganze Elysium durch verbrecherische Hand ein Naub 
der Flammen. „Elysium in seiner Pracht, 
Das viele wohl einst angelacht 
Und Freude vielen hat gebracht, 
Ward Beute deiner schwarzen Hand, 
Die teuflisch warf den Feuerbrand, 
Daß aller Glanz in nichts entschwand.“ 
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