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Der Tiergarten

Full text: Berlin im Wandel der Zeiten / Krieger, Bogdan (Public Domain)

vember aufs Haupt geschlagen. Auch bei dieser Gelegenheit bewährte sich des Prinzen 
Tapferkeit. Er brach zweimal mit seinen Regimentern aus seiner verschanzten Stellung 
hervor und trieb einen Teil der Feinde bis an den Fluß zurück. Sein Pferd wurde 
ihm unter dem Leibe erschossen und seine Pistole im Halfter von einer Kartätschen- 
kugel zertrümmert. Er ergriff eine Fahne, um zu Fuß seine Truppen zum Angriff zu 
—DD— 
Erfolg. Als Bevern am 24. November auf einem Rekognoszierungsritt von einer 
Kroatenabteilung gefangen genommen war, baten die Generale des Korps den Prinzen 
Ferdinand, das Oberkommando zu übernehmen. Er lehnte es aber ab, weil er der 
Anciennität nach nicht dazu berechtigt war. Der König billigte nachträglich seinen 
Entschluß, übergab Zieten den Oberbefehl, ernannte seinen Bruder aber am 3. De— 
zember zum Generalleutnant „wegen der bei allen Gelegenheiten, absonderlich in diesem 
Kriege bewiesenen Bravour und tapferen Conduite“. Auch weiterhin fand das Ver— 
halten des Prinzen die Anerkennung seines sonst auch den Angehörigen gegenüber 
kritischen und strengen Bruders. Als dieser die Belagerung von Breslau wieder auf— 
nahm, die am 20. Dezember 1757 zur Kapitulation der Stadt führte, besetzte Prinz 
Ferdinand in der Nacht vom 12. zum 13. die Vorstadt am Nikolaitor. Bei dieser 
Gelegenheit hatte er, eine ihn schon längere Zeit belästigende Kurzatmigkeit nicht achtend, 
sich im tiefen Schnee eine Erkältung zugezogen, die zu einer schweren Erkrankung 
führte. Mitte März konnte er, langsam genesen, wieder ins Feld rücken. Er erkrankte 
aber in Landshut von neuem, so daß er schließlich in die Heimat zurückkehren mußte. 
Mißmutig und zurückgezogen lebte er die nächsten Jahre abwechselnd in Stettin und 
Berlin. Nach dem Tode des Markgrafen Karl von Schwedt ernannte Friedrich der 
Große seinen jüngsten Bruder 1762 zum Herrenmeister des Johanniterordens, eine 
Würde, die ihm eine jährliche Einnahme von 30 000 Talern einbrachte. Mit ihr ging 
auch das Haus des Herrenmeisters, das Palais am Wilhelmsplatz, in den Besitz des 
Prinzen über, der bis dahin kein eigenes Schloß gehabt hatte. In demselben Jahre 
erwarb er als Sommersitz auch das Schloß Friedrichsfelde bei Berlin für 16 000 Taler 
vom Erbprinzen Friedrich Albrecht von Anhalt-Bernburg, einem Schwager des ver— 
storbenen Markgrafen Karl, von dem dieser es ererbt hatte. 
Seine Pflichten als Herrenmeister nahm der Prinz gewissenhaft und streng. In 
der Aufnahme neuer Mitglieder war er zurückhaltend und verletzte oft durch Ablehnung. 
Er tat, nach dem Urteil eines Ordensritters, als verschenke er 100 Königreiche, wenn 
er die Würde vergab. Auf seine Anregung wurden auf den Ordenskapiteln in den 
Jahren 1765 bis 1767 die Ritter, die nicht nach den Ordensregeln lebten, aus der 
Ordensliste gestrichen. Auch dachte man wieder an die Ordenspflicht der Kranken— 
pflege und beabsichtigte ein Johanniter-Ordens-Hospital in Berlin zu bauen und die 
Kosten dafür durch Beiträge der Nitter aufzubringen. Der Plan kam aber nicht zur 
Ausführung. Als der Prinz im Jahre 17898 bedenklich erkrankte, würde man, wie 
Lehndorff sagt, seinen Tod allgemein als großen Verlust für den Orden empfunden 
haben. Nach dem Hubertusburger Frieden brauchte der Prinz eine Kur in Aachen; 
nach wie vor blieb er leidend. Am 8. September 1764 schrieb der immer freundlich 
um ihn besorgte König an seine Schwester, die Königin UÜUrike von Schweden: .Mon frère
	        
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