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Der Lustgarten

Full text: Berlin im Wandel der Zeiten / Krieger, Bogdan (Public Domain)

zu. Unter Friedrich Wilhelm J. erfolgte 1713 die für des Königs Art bezeichnende 
Umwandlung des Lustgartens in einen Exerzierplatz. Die Statuen und die Orangerie 
wurden nach Charlottenburg gebracht; der König wollte von seinen im untersten Stock⸗ 
werk des Schlosses gelegenen Wohnräumen, den „Petits appartements“), einen unge⸗ 
hinderten Blick über den Platz haben. In einer geschriebenen Zeitung aus Berlin 
aus der Feder des Licentiaten der Rechte Zacharias Grübel vom 10. Juni 1713 heißt 
es: „Der Königl. Lustgarten, so nahe am Schlosse gelegen, wird mit ehesten rasiret 
und in einen Place d'armes verwandelt, da man dann bereits mit Transportirung der 
raresten Garten-Gewächsen nach Charlottenburg und Friedrichsfelde den Anfang 
gemacht.“ Im Oktober wurde die Absicht auf Bitten der Königin und, weil für Berlin 
bestimmte Truppen anderweitig untergebracht wurden, wieder aufgegeben, aber nur 
vorübergehend. Denn schon unter dem 27. Januar 1714 meldet der Berichterstatter: 
„S. K. M. seyn den 23. hujus wiederümb von hier nach Potsdam gegangen, tages 
oorher haben Sie die 2 Bataillons von Alt Dohna und Heiden in dem hiesigen Schloß- 
oder so genandten Lustgarten exerciret, welcher platz schon vorlengst zu einem Place 
des Armes destiniret und dieserwegen jetzo gantz applaniret ist, ohne daß der schöne 
bassin nur alleine noch geblieben, der aber auch vermuthlich wegkommen wird, und 
oersamlet sich jetzo täglich die parade daselbst, so vordehm vor dem Arsenal von vielen 
jahren her geschehen. Da nun aus denen häusern auf der Schloßfreiheit die fenster alle 
nach dem Lustgarten gehen, so wurde den 22ten vor dem exereiren in solche Häuser 
angesaget, daß keiner an den Fenstern sich solte blicken laßen, auch alle Avenüen mit 
wachten besetzet, das Volck, so zum Zuschauen sich nahete, zurück zu weisen; es soll noch 
eine Battaillon von Marggraff Albrecht herein kommen und vermeinet der König durch 
die Vermehrunge der Garnison den Bürgern Nahrunge zu geben, davon aber außer 
dem Brauer und Becker sonsten wenige profitiren, die übrige werden hingegen durch 
die starke einquartirunge sehr gedrücket, und gehen schon die Diebereyen so stark im 
schwange, daß fast alle Nächte Kauffmans-Laden aufgebrochen, auch sonsten Leute auf 
den gaßen spoliret und unter gewaltsahmer Bedräuung Geldt von ihnen gefordert wird, 
überdehm äußert sich die Noht und Armuth bey mittlern und geringen stande täglich 
mehr und mehr.“ AUnter dem 13. April 1715 lesen wir: „Man bringet nunmehro die 
Feld-Artillerie vor und nach auf dem Place d'Armes, ehemahligen Schloßlustgarten, 
woraus man seiter wenig Tagen den letzten Ueberrest der Hecken und Bäume, davon 
man Hofnung hatte, weil sie muir umb der eußersten Allee waren, folglich zur Ver— 
größerung des Platzes fast wenig contribuiren können, daß sie würden stehen bleiben, 
weggenommen. Der schöne bassin ist auch eingerißen und der Erden gleich gemachet, und 
stunden gestern bereits daselbst 22 Feldstücke von 8 bis 4Pfd.,2 Pöller, jeder 18 Pfd. 
Steine schießend, 77 Ammunition-Wagen und 5 Karren, welches alles noch augmen⸗ 
tiret werden wird. und ist dabey eine Wache von 50 Mann. vor welche einige Zelten 
) Der Name stammt aus der Zeit Friedrich Wilhelms II. Er ist gewählt im Gegensatz zu den 
oon dem König ausgebauten, prunkvollen Königskammern. Wenn er sich aus diesen Prachträumen 
zurückziehen wollte, begab er sich in die darunter liegenden, schlichteren Gemächer. die „petits 
ippartements.“ 
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