Path:
Die Linden

Full text: Berlin im Wandel der Zeiten / Krieger, Bogdan (Public Domain)

historischen Andenken aus dem alten Berlin, Emaildosen, Miniaturen, Pfeifenköpfe mit 
Bildnissen der königlichen Familie und geschichtlicher Persönlichkeiten. Zahlreiche 
wissenschaftliche und Kunstanstalten Berlins danken ihm wesentliche Förderung. Da— 
neben war er ein tüchtiger Kaufmann und der umsichtige Leiter seines weltbekannten 
Banthauses. 
Ende des 18. Jahrhunderts entstand auch das Haus Unter den Linden 21. Es ge— 
hörte dem Oberstleutnant von Tempelhoff. Nach Schadows Angabe in seinen „Kunst-⸗ 
werken und Kunstansichten“ gab schon Friedrich der Große 1780 dem Hause durch den 
von vier Säulen getragenen Balkon und die von Statuen bekrönte Attika das früher 
vornehm wirkende Ansehen. Heute ist diese Wirkung durch den Einbau eines zweiten 
Portals und durch die Verwendung des Gebäudes für allerlei Geschäftszwecke stark 
abgeschwächt. Möglicherweise liegt aber auch ein Irrtum Schadows vor, und der Um— 
bau hat erst 17871789 stattgefunden. Auch die doppelte Freitreppe in der Flurhalle 
zeugt heute noch davon, daß das Haus einst bessere Tage gesehen hat. Aus den Jugend— 
erinnerungen des Geschichtsschreibers der Mark und Begründers der Friedrich-Werder— 
schen Gewerbeschule, Karl Friedrich von Klöden, erfahren wir, daß sein Vater, der dem 
Elternhause entlaufen und als Bombardier bei der Fußartillerie in Berlin eingetreten 
var, von dem Besitzer des Hauses vorübergehend mit dessen Verwaltung betraut wurde. 
Auf der Nordseite der Linden hat sich das Haus Nr. 52, in dem sich seit 1853 das 
Bankgeschäft von Helfft &K Co. befindet, noch aus der friderizianischen Zeit erhalten, 
nur ist das Portal von der Mitte an die Seite verlegt worden. Über einem Fenster 
des Erdgeschosses befindet sich das Relief eines Mondgesichtes. Zu Anfang des 
19. Jahrhunderts befand sich in dem Hause der „Gasthof zum silbernen Mond“, später 
die Weinstube von Tichy. Die nicht mehr vorhandenen Häuser Nr. 50 und 51 gehörten 
zu den bereits erwähnten, deren Fassade Friedrich der Große ohne Rücksicht auf die 
eigene Art der Grundslücke einheitlich gestaltet hatte. Die meisten dieser Privathäuser 
Unter den Linden baute auf des Königs Veranlassung Georg Christian Unger, den wir 
schon beim Bau der Bibliothek als einen Schüler Gontards kennengelernt hatten. 
In Potsdam ist er der Schöpfer der Neuen Kammern, des Brandenburger Tores 
und des Belvederes oberhalb des Neuen Palais. Auf der andern Seite des Hauses 
mit dem „Mann im Monde“ lag die Apotheke von Lucage „Zum roten Adler“; sie 
befindet sich auch heute noch in dem Gebäude, das aber nicht mehr das alte Aussehn 
bewahrt hat. 
Daß das auf der Südseite der Linden gelegene Haus Nr. 9, in dem sich heute der 
Durchgang nach der Behrenstraße befindet, den örtlichen Hintergrund der Novelle 
„Das öde Haus“ von E. Th. A. Hoffmann bildete, war bereits erwähnt. Die Novelle 
steht im zweiten Teil der Nachtstücke; Hoffmann schrieb sie während seines dritten, 
von 1814-41822 währenden Aufenthaltes in Berlin. „Schon oft“, sagt er darin, 
„war ich die Allee durchwandelt, als mir eines Tages plötzlich ein Haus ins Auge fiel, 
das auf ganz wunderlich seltsame Weise von allen übrigen abstach. Denkt Euch ein 
niedriges, vier Fenster breites, von zwei hohen schönen Gebäuden eingeklemmtes Haus, 
dessen Stock über dem Erdgeschoß nur wenig über die Fenster im Erdgeschoß des nach— 
barlichen Hauses hervorragt, dessen schlecht verwahrtes Dach, dessen zum Teil mit 
211
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.