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Die Linden

Full text: Berlin im Wandel der Zeiten / Krieger, Bogdan (Public Domain)

korinthische Pilaster gegliederte Stockwerke, die von einem Gesims bekrönt werden. 
Heute stehen außer ihr noch zwei öffentliche Gebäude UA. d. Linden, das in den siebziger 
Jahren des vorigen Jahrhunderts gebaute Ministerium des Innern, neben dem alten 
Ponton-Hof nach Norden zu an Stelle der Häuser 72 und 73, und das noch neuere 
Kultusministerium (Nr. 4) auf der Südseite der Straße. Ihm mußte das in unserer 
Bilderreihe als dem Branntweinbrenner Moritz gehörig bezeichnete, palastartige Ge— 
bäude mit dem rechts anschließenden Hause weichen, nachdem es inzwischen noch in den 
Besitz des Herzogs Ernst August von Cumberland, des späteren Königs von Hannover, 
übergegangen war. Dieser hatte sich 1815 mit der Schwägerin Friedrich Wilhelms III., 
der Schwester der Königin Luise, Prinzessin Friederike von Mecklenburg-Strelitz, ver— 
nählt, die in erster Ehe mit dem Bruder Friedrich Wilhelms III., dem Prinzen Louis 
und danach mit dem Prinzen Solms-Braunfels verheiratet gewesen war. Das Cumber—⸗ 
landsche Haus war damals der Sammelplatz der fürstlichen Jugend Berlins, in deren 
Mittelpunkt der Herzog Karl von Mecklenburg, der Bruder der Herzogin, stand. Aber 
auch alle bedeutenden Persönlichkeiten des literarischen, künstlerischen und politischen 
Lebens der Hauptstadt hatten dort Zutritt. „Lektüre sowie Diskussionen über allerhand 
Bebiete des Lebens verliehen diesen Vereinigungen meist eine angenehme Belebtheit, 
ohne daß die Herzogin viel dazu beitrug. Sie hatte viel erlebt und wußte auch von 
hren Erfahrungen zu erzählen, war aber nicht interessant zu nennen. Der Herzog galt 
für sehr neugierig und indiskret; er wußte sich alle Klatschen aus Berlin heranzuziehen, 
erfuhr alle möglichen Geschichten aus dem öffentlichen und Privatleben und brachte 
sie gelegentlich auf die schonungsloseste Weise herum oder warf sie den Beteiligten 
grade ins Gesicht. Daneben verstand er es aber mit einer Art Humor und Bonhomie 
wieder gut zu machen, so daß er am Ende mit mehr Anerkennung und Freunden aus 
Berlin schied, als man es während seines dortigen Lebens und nach den vielen von ihm 
oerbreiteten Klatschereien und Indiskretionen hätte glauben sollen. Die Söhne der 
Herzogin, die Prinzen Solms, waren teils unbedeutend, teils roh und unausgebildet. 
Es mochte also merkwürdig erscheinen, daß die Elemente dieser Familie ein so ange— 
nehmes Haus bilden konnten. Und doch war dem so! Wahrscheinlich durch die Per— 
önlichkeiten, die sich darum und daran hingen, des Herzogs Karl gesuchte, aber un— 
streitig gesellige Talente und des Kronprinzen vielfache Gegenwart.“ So lesen wir in den 
Aufzeichnungen der Caroline von Rochow. 1837 wurde der Herzog von Cumberland 
König von Hannover. Sein Haus wurde vorübergehend Sitz der österreichischen Ge— 
andtschaft. 
Aus der Zeit der ersten Anlage des Quarrés, des späteren Pariser Platzes, unter 
Friedrich Wilhelm J., stammt das uns älteren Berlinern unter dem Namen „Redern— 
sches Palais“ noch wohlbekannte Haus U. d. Linden Nr. 1. Wir sehen es in der 
Bilderreihe in seiner ursprünglichen Form vom Jahre 1736. Damals gehörte es 
einem Grafen Kamecke, von dem es der Vater des Generalintendanten der König- 
lichen Schauspiele, Graf Wilhelm von Redern, 1798 erwarb. Graf Redern ließ sich 
das Haus in den Jahren 1829-1833 unter Beibehaltung des Grundrisses und des 
Erdgeschosses durch Schinkel umbauen. Er gestaltete es zu einem der vornehmsten 
Privatbauten Berlins, der im Stil der florentinischen Paläste der Medicäerzeit dem
	        
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