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Die Linden

Full text: Berlin im Wandel der Zeiten / Krieger, Bogdan (Public Domain)

Berliner, daß man statt geschmackvollerer Ketten die haltbareren, aber weniger schönen 
Stangen wählen mußte. „Aber auch an ihnen konnte es der Pöbel nicht unterlassen, sein 
Mütchen zu kühlen. Kaum war die Einfassung vollendet, als man eines Morgens drei 
——B 
Man suchte den Schaden so geschwind als möglich wieder herzustellen, aber schon zum 
zweiten Male sind einige Kegel zerschlagen und umgeworfen und die Stangen zerbrochen. 
Die alte hölzerne, halb vermoderte Einfassung hätte man ohne alle Mühe in einer Nacht 
niederreißen können, aber kein Mensch vergriff sich daran; sobald aber diese neue geschmack— 
volle Einfassung da stand, war auch der Reiz zur Zerstörung da! Offenbar ist es vorzüg— 
lich der Reiz der Neuheit, der jenen Vernichtungstrieb rege macht. Überall, wo in Berlin 
öffentliche Kunst- oder architektonische Werke zu sehen sind, hat auch der Pöbel die 
Hand daran gelegt, aber überall zeigt es sich, daß es nur so lange geschahe, als der 
Ansicht des Platzes am Eingang der Linden. 
Catel het. Guünther c— 
Reiz der Neuheit dauerte. Die Statüen am Opernhause, an der Bibliothek haben 
fast alle Nasen, Hände und Füße verloren. An den Gruppen der sogenannten Herkules- 
brücke hat man an den Sphynren die Nasen und die Klauen, an den Kindern Hände und 
Füße zerschlagen — aber alles nur, so lange sie neu waren. An den Statüen im Tier— 
garten ist überall dieselbe Zerstörungswut sichtbar; aber auch hier ist diese Periode 
längst vorüber, und die Beschädiaungen sind wie die Statüen selbst mit Moos über— 
wachsen.“ 
Daß sich die hier gerügten Schäden im Laufe der nächsten Jahre besserten und manche 
Wünsche der Einwohner und Fremden erfüllt wurden, entnehmen wir einem die Über— 
schrift, Verbesserungen“ tragenden Aufsatz im Jahrgang 1804 der nur in diesem und 
im nächsten Jahre in einzelnen Nummern erschienenen Zeitschrift „Preußisch-Branden⸗ 
burgische Miscellen“. „Mit Vergnügen“, heißt es dort: „macht jeder Beobachter die 
Bemerkung, daß Berlin seit einer Reibe von Jahren nicht nur an äußerem Umfange 
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