Path:
Erster Teil. Geschichte 5. Kapitel. Kurze Betrachtung des gegenwärtigen Dorfes und ein Blick auf seine engere Umgegend. Niederdeutsche Nationalität der Ortsgründer. Bedeutung des Dorfnamens

Full text: Geschichte des Dorfes und Schlosses Tegel / Wietholz, August (Public Domain)

AusFUGEI-VFRREHP. - DER HEILIGE BLUTSWVEG 37 
Ja, die Zeit der ländlichen Ruhe und des dörflichen Friedens ist 
für Tegel längst dahin, und wer als Tegeler Bürger am Schloßplatz, 
in der Nähe der Endstation der Straßenbahn wohnt, wird den poe—⸗ 
tischen Stoßseufzer des Dichters durchaus nachempfinden. Das einstige 
einsame Dörfchen an der Ostseite des Tegel-Sees, in dem einst der 
Dichter Heinrich Seidel so gern verweilte, das er als Ziel seiner 
Hochzeitsreise wählte und dann in seinem „Leberecht Hühnchen“ als 
ein romantisches Naturidyll verewigte, ist in neuerer Zeit zu städtischer 
Gestalt mit städtischem Wesen aufgeblüht. Moderne Häuser bis zum 
vornehmsten Genre an schön gepflasterten, mit Bäumen geschmückten 
Straßen, weltberühmte Industriefirmen, Kirchen und Schulen, Gas—, 
Wasser⸗ und Klärwerk und zaählreiche große Vergnügungs-Etablissements 
sind dafür die Hauptzeugen. 
Von Berlin⸗Wedding führt in nördlicher Richtung eine verkehrs⸗ 
reiche Straße über Reinickendorf-West nach Tegel. Sie heißt zunächst 
Müllerstraße, von Reinickendorf-West ab Scharnweberstraße und inner⸗ 
halb des Tegeler Gebietes Seidel-, Berliner⸗ und Schloßstraße. (IIl. Nr. 10). 
Dieser Straßenzug war in alten Zeiten eine hochbedeutende Handels— 
und Verkehrsstraße, die an Tegel vorbei über Ruppin in das 
Obotritenland (Mecklenburg) und weiter an die Ostsee führte. Sie wird 
in den Protokollen über die Grenzregulierungen zwischen der Stadt 
Berlin und dem Königl. Amte zu Spandau von 1603 der „Heilige 
Blhutsweg genannt. Die Bezeichnung hängt nach Friedel“) 
mit dem „Heiligen,““ oder „Wunderblut“ zusammen, das in den 
Jahren 1383 — 1553 in der Westprignitzschen Stadt Wilsnacdck 
gezeigt und verehrt wurde. Die dahin pilgernden Gläubigen 
venutzten diese Straße als Wallfahrtsstraße und gaben ihr den Namen 
„Heiliger Blutsweg“, der bei Aufnahme der Grenzprotokolle noch be⸗ 
) Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie 
und Urgeschichte. Jahrg. 1888 S. 586. GFriedel berichtigt hier einen Irrtum 
Fidicins, der auf Grund eines Lesefehlers aus dem heiligen Blutsweg den 
heil. Bil bugschen Weg gemacht und ihn in seinen Schriften mit dem ver⸗ 
meintlichen flavischen „Weißen Gott“, dem Lichtgott Bielbog in Beziehung 
gebracht hat, dessen Existenz keineswegs nachgewiesen ist. Dieser *8 Fidicins 
ist in viele andere Schristen übergegangen.)
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.