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Erster Teil. Geschichte 31. Kapitel. Das Rittergut und Schlößchen Tegel

Full text: Geschichte des Dorfes und Schlosses Tegel / Wietholz, August (Public Domain)

BESCHAFFENHEIT DES GuUTES GERICHTSBAäRET 403 
sandig war. Die Hufen waren in zwei Felder eingeteilt und 
erforderten ungefähr 18 Scheffel Aussaat für jedes Feld. Die 
Holzung bestand aus schlechtem Kiefernholz und hatte nur ge— 
ringen Nutzungswert; sie hatte einen Umfang von ungefähr 1500 
Schritt in der Länge und 400 Schritt in der Breite, also einen Flächen⸗ 
raum von etwa 42 Ar 50 Quadratmetern. Die wenigen vorhandenen 
Wiesen lagen am Fließ zwischen der Mühle und dem See und an 
der Nordspitze der Malche. Eigene Weideplätze für das Vieh hatte 
das Gut nicht; es war ihm dafür ein Hütungsrevier in der Heiligen⸗ 
seer Forst zugewiesen worden. Schafzucht konnte nicht betrieben 
werden, weil es an Weideplätzen und Futter fehlte. Für den Bier⸗ 
bedarf des Gutsbezirks wurde dem Gut das Braurecht verliehen. 
Mit der Mühle kam auch ihre alte Fischereigerechtigkeit auf 
dem Mühlenteich zum Gut. Überhaupt bildete die Mühle den 
eigentlichen Träger des Gutes, die z. B. dem Kloster zu Spandau 
eine jährliche Pacht von 120 Scheffeln Roggen, 18 Scheffel Hafer und 
30 Schillingen eingebracht hatte, die nun dem Gut zufiel. Der 
Wert des Gutes wurde aber ganz erheblich dadurch herabgemindert, 
daß es keine Dienste besaß; es waren also weder die Tegeler noch 
die Bauern und Kossäten anderer Orte verpflichtet, dem Gute Hofe— 
dienste zu leisten. Die Arbeitskräfte waren vielmehr vom Gute anzu⸗— 
werben und zu unterhalten. Dies fiel zu damaliger Zeit bei der Be— 
wertung des Gutes zu seinem Nachteil schwer ins Gewicht, so daß 
nach einer amtlichen Abschätzung im Jahre 1683 der Gesamtwert des 
Gutes auf 2575 Taler veranschlagt wurde. 
Das Tegeler Gut war ein sogenanntes Allodialgut, d. h., 
es war lehnsfrei und erblich. Was die Gerichtsbarkeit anbetraf, 
so besaß der Inhaber über seine Domestiken, Einlieger, Tagelöhner 
und sonstigen Untertanen die lurisdictio civilis in personalibus, 
also das Untergericht. (Vgl. S. 31 und 52.) Die obere Ge— 
richtsbarkeit Gurisdictio criminalis) wurde dagegen vom Amte 
Nieder⸗Schönhausen ausgeübt. Das Schlößchen aber sowie der Erb—⸗ 
pächter nebst seiner Familie unterstanden der lurisdictio der Kur-— 
fürstlichen Kammer immediate.
	        
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