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Erster Teil. Geschichte 20. Kapitel. Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln

Full text: Geschichte des Dorfes und Schlosses Tegel / Wietholz, August (Public Domain)

DIE ZUCXERVERSORGUNG. 267 
tlieker 
An die Möglichkeit einer Zuckernot hatte vor dem Kriege wohl 
niemand geglaubt. Hatte doch Deutschland eine so blühende Zucker— 
industrie, die ihm erlaubte, von seinem Überfluß einen reichen Anteil 
an seine Nachbarstaaten abzugeben. Der Zuckerverbrauch hatte in 
Deutschland jährlich 40 Pfund auf den Kopf der Bevpölkerung be—⸗ 
tragen. Er stieg im Kriege auf 68 Pfund, weil er als Ersatz für die 
fehlenden fett- und eiweishaltigen Nahrungsmittel dienen mußte. 
Große Zuckermengen wurden als Viehfutter und später für die Her—⸗ 
stellung von Sprengstoffen verbraucht. Dagegen ging der Rübenbau 
sowie die Zuckererzeugung stark zurück. Eine Bestandsaufnahme zeigte, 
daß auch dieses einst im Überfluß vorhandene Lebensmittel einer 
Regelung des Verbrauchs bedurfte. Am 17. April wurde der freie 
Zuckerverkauf aufgehoben. Die Kommunalverbände, denen die Durch— 
führung der Rationierung übertragen wurde, erhielten monatlich zu⸗ 
nächst für jeden ihrer Einwohner 1 Kilogramm Zucker. Die Ver— 
teilung blieb den Gemeinden überlassen. Dadurch entstanden aber so 
große Verschiedenheiten, daß die Reichsstelle sich entschloß, im Wirt⸗ 
schaftsjahr 1916/17 für die Bevölkerung eine einheitliche Kopfmenge 
von monatlich 800 Gramm zu verteilen. Am 1. Mai 1916 trat in 
Groß-Berlin die Zuckerkarte in Kraft. (Seite 248/49 Taf. II.) Auf die 
Karten wurden zuerst !, Pfund für 8 Tage, dann 8/, Pfund für 
14 Tage und seit dem November 1916 regelmäßig 8/4 Pfund für 
einen halben Monat ausgegeben. Die Preissteigerung setzte auch beim 
Zucker ein. Gegenüber einem Friedenspreis von 19 bis 22 Pfennigen 
für gemahlenen Kristallzucker, kostete das Pfund am 1. Mai 1916 
30, kurz vor der Revolution 52 und Mitte Juli 1919 noch 56 Pfennige, 
am 1. November 1919 aber schon 1 Mark, am 1. Februar 1920 
1,40, vom Mai 1920 ab 1,90 Mark und stieg bis Oktober 1921 auf 
b Mark für ein Pfund. Am 1. Oktober 1921 wurde die Zwangs— 
wirtschaft für Zucker wieder aufgehoben. Der ausländische Einmache— 
zucker kostete 7,60 Mark. Bis ins Jahr 1919 war es möglich, monat⸗ 
lich 3 Pfund Kunsthonig zu verteilen. Der Preis betrug im Klein—⸗ 
handel im November 1917 55 Pfennig für das Pfund, stieg dann
	        
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