Pfad:
Farbkarte

Volltext : Verteilung des Lehrstoffes für die Volksschulen Groß-Berlins (Public Domain)

Abgeordnetenhaus  von  Berlin  -  9.  Wahlperiode

52.  Sitzung  vom  10.  November  1983

Sen  Fink
(A)  gesellschaftlich  wichtige  Aufgabe  der  Kindererziehung
entschieden  haben,  nicht  zugemutet  werden,  berufliche
Nachteile  auf  Dauer  in  Kauf  zu  nehmen.  Sie  müssen  die
Möglichkeit  erhalten,  wieder  in  den  Beruf  zurückkehren  zu
können.  Ich  möchte  hier  nun  nicht  auf  sämtliche  Maßnahmen ­
  eingehen,  die  bereits  auch  im  Bericht  über  die  Situation ­
  der  Frauen  in  Berlin  ausführlich  dargestellt  worden
sind;  ich  möchte  mich  vielmehr  im  wesentlichen  auf  drei
neuere  Entwicklungen  beschränken:
1.  Vielen  Frauen  ist  der  Wiedereinstieg  in  den  Beruf
über  eine  Tätigkeit  in  den  Sozialstationen  gelungen.
Durch  den  Ausbau  dieses  Bereichs  konnten  etwa  1  000
neue  Teiizeitarbeitsplätze  für  qualifizierte  Krankenschwestern ­
  geschaffen  werden.
[Beifall  bei  der  CDU]
2.  Wie  sinnvoll  und  notwendig  es  ist,  gezielte  Hilfen
zum  Wiedereinstieg  zu  leisten,  zeigen  erste  Erfahrungen
aus  dem  Modellprojekt  „Berufliche  Wiedereingliederung
von  Krankenschwestern“,  das  ich  gemeinsam  mit  der
Schwesternschaft  des  Deutschen  Roten  Kreuzes  in  mehreren ­
  Berliner  Krankenhäusern  durchführte.  In  diesem
Projekt  werden  sehr  konkrete  Schritte  hin  zu  einer  befriedigenden ­
  beruflichen  Tätigkeit  nach  einer  mehrjährigen
Berufsunterbrechung  entwickelt.  Dies  zu  ermöglichen,
liegt  auch  im  ökonomischen  Interesse  der  Gesellschaft.
Es  ist  doch  ein  Unding,  daß  Krankenschwestern  bei  einer
Ausbildungsdauer  von  drei  Jahren  durchschnittlich  nur
fünf  Jahre  ihren  Beruf  ausüben,  während  auf  der  anderen
Seite  qualifizierte  Krankenschwestern  immer  noch  gesucht
werden.  Hier  wird  echte  Reform  verwirklicht.
[Beifall  bei  der  CDU  und  der  F.D.P.]
/D\
Die  Resonanz  von  Frauen  auf  die  in  diesem  Projekt
durchgeführten  Modellkurse  hat  den  großen  Bedarf  an
spezifischen  Wiedereingliederungsmaßnahmen  bestätigt.
Es  haben  sich  auch  viele  Frauen  aus  anderen  Berufsfeldern ­
  gemeldet,  die  ebenfalls  nach  solchen  Hilfen  suchen.
Ich  werde  deshalb  dafür  sorgen,  daß  die  Erkenntnisse  des
Projekts  über  die  Ausgestaltung  solcher  Wiedereingliederungshilfen ­
  möglichst  auch  in  anderen  Berufsbereichen
nutzbar  gemacht  werden  können.
3.  Und  schließlich  möchte  ich  das  Programm  zur  Förderung ­
  von  Selbsthilfegruppen  nennen.  Mit  diesem  Programm ­
  werden  auch  solche  Projekte  gefördert  die  sich
dem  Problem  der  Berufsrückkehr  und  der  Vereinbarkeit
von  Familie  und  Beruf  widmen.  Unter  den  in  diesem  Jahr
neu  geförderten  31  Frauenprojekten  befindet  sich  eine
große  Reihe  von  Selbsthilfegruppen  von  Frauen,  die  sich
zusammengetan  haben,  um  sich  bei  dem  Problem  der
Wiedereingliederung  gegenseitig  zu  helfen,  sich  gegenseitig ­
  über  bestehende  Unterstützungsangebote  zu  informieren ­
  und  gemeinsam  nach  Möglichkeiten  zu  suchen,
ihre  Situation  zu  verändern  und  somit  Kontakte  und  Hinweise ­
  zu  finden.  Ich  halte  gerade  diese  Gruppeninitiativen
für  einen  ganz  besonders  wichtigen  und  konkreten  Punkt,
um  diese  Schwellenängste  unterbinden  zu  können.
Auf  die  vielfältigen  Bemühungen  der  Berliner  Volkshochschulen ­
  und  des  Landesarbeitsamts  Berlin  zur  Erleichterung ­
  der  beruflichen  Wiedereingliederung  will  ich  hier  im
einzelnen  nicht  eingehen;  auch  sie  sind  im  Frauenbericht
bereits  detailliert  beschrieben  worden.  In  diesen  Bereichen ­
  sind  viele  sinnvolle  Ansätze  entwickelt  worden,
durch  Qualifizierungs-,  Informations-  und  Beratungsangebote ­
  den  betroffenen  Frauen  wirksame  Hilfe  zu  leisten.
Lassen  Sie  mich  die  Haltung  des  Senats  zur  Frauenpolitik ­
  wie  folgt  zusammenfassen:
1.  Der  Senat  hält  nichts  vom  Schwarz-Weiß-,  vom  Kolonnendenken. ­
  Er  hält  nichts  davon,  Frauen  Rollenklischees ­

  zu  verordnen,  und  zwar,  Frau  Abgeordnete  Kort-  (C)
haase,  weder  alte  noch  neue  Rollenklischees.
[Beifall  bei  der  CDU]
Die  Frau  auf  die  ausschließliche  Haushaltstätigkeit  zu
verweisen,  ist  ebenso  falsch,  wie  etwa  die  Frau,  die  sich
der  Erziehung  der  Kinder  voll  widmet,  als  „Nur-Hausfrau“
zu  diffamieren.
[Beifall  bei  der  CDU]
Nein,  der  Senat  hält  viel  eher  etwas  davon  —  wenn  er
schon  einmal  etwas  empfehlen  sollte  —,  manchen  Männern
zu  empfehlen,  endlich  vom  Pascha-Thron  herunterzusteigen! ­

[Beifall  bei  der  CDU  —  Schicks  (CDU):  Das  kann
man  ganz  dick  unterstreichen!]
Der  Senat  vertritt  das  Prinzip  der  Wahlfreiheit  und  fördert ­
  auf  den  unterschiedlichsten  Gebieten  die  Möglichkeit, ­
  frei  wählen  zu  können.
2.  Der  Senat  verkennt  nicht  die  Schwierigkeiten,  die  in
der  Durchsetzung  dieser  Politik  zu  überwinden  sind.  Er
hält  aber  nichts  davon,  sei  es  durch  bombastische  Anträge, ­
  die  von  der  Fraktion  der  AL  vorgelegt  werden,  sei
es  durch  andere  bombastische  Worte  und  Erklärungen,
den  Frauen  „das  Blaue  vom  Himmel“  zu  versprechen.  Er
begrüßt
[Wagner  (SPD):  Und  was  machen  Sie?]
vielmehr  jede  Initiative,  die  jeder  einzelne  im  Sinne  dieses ­
  Ziels  in  seiner  eigenen  Familie  und,  Herr  Abgeordne-  (D)
ter  Wagner,  in  der  Gewerkschaft,  in  den  Verbänden,  im
politischen  Raum  ergreifen  kann,  um  die  Gleichberechtigung ­
  von  Mann  und  Frau  in  der  Verfassungswirklichkeit
Stück  um  Stück  voranzubringen.
[Beifall  bei  der  CDU]

Stellv.  Präsident  Longolius:  Meine  Damen  und  Herren!
ln  der  nun  folgenden  Aussprache  stehen  alle  sechs  aufgerufenen ­
  Verhandlungsgegenstände  zur  Debatte.  Das
Wort  hat  die  Kollegin  Reichel-Koß.

Frau  Reichel-KoB  (SPD):  Herr  Präsident!  Meine  Damen ­
  und  Herren!  Herr  Senator  Fink!  Ich  möchte  auch
gleich  die  Frau  Präsidentin  ansprechen.  Frau  Wiechatzek,
so  sieht  es  aus!  Wenn  Frauen,  wie  Sie  seinerzeit,  mit  einer ­
  großen  Unterstützung  das  Paschatum  der  Männer  angegriffen ­
  haben,  gab  es  Ärger.  Der  Herr  Fink,  selbst  ein
Pascha,  darf  das  hier  unter  dem  Beifall  der  Männer  sagen. ­
  Wir  wollen  das  einmal  zur  Kenntnis  nehmen.  Ich
stelle  fest  —  ich  hoffe,  Pascha  ist  keine  Beleidigung,
sonst  nehme  ich  das  zurück  —,  daß  die  gesetzliche  Gleichstellung ­
  der  Frauen  in  der  Bundesrepublik  Deutschland
schon  ganz  gut  gediehen  ist.  Wie  es  aber  mit  den  Realitäten' ­
  aussieht,  das  können  wir  täglich  beobachten.  Die
Wirklichkeit  ist  nicht  so.  Sie  brauchen  sich  nur  in  diesem
Hause  umsehen,  dann  müßten  sie  eigentlich  ein  Förderungsprogramm ­
  für  Frauen  in  Männerberufen,  nämlich  des
Abgeordneten,  machen.  Da  brauche  ich  keine  der  Fraktionen ­
  auszunehmen,  auch  nicht  die  meine.  Ich  will  hier
nicht  scheinheilig  sein,  ich  stelle  das  nur  einmal  fest.
Sie  sprechen  dann  von  der  Arbeitslosigkeit,  die  in  den
70er  Jahren  entstanden  ist  Haben  Sie  übersehen,  daß  in
den  70er  Jahren  im  Wirtschaftsbericht  noch  die  Schaffung
von  Kindertagesstätten  gefordert  worden  ist,  um  die.

3138
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.