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Erster Teil. Geschichte 18. Kapitel. Tegel in und nach dem Weltkriege

Full text: Geschichte des Dorfes und Schlosses Tegel / Wietholz, August (Public Domain)

LAZAPETTE UND VERVUNDETENPFLEGF 233 
kraft ist bei einem großen Teil der Bevölkerung nicht geringer sondern 
größer geworden, besonders bei der Arbeiterschaft und den Jugend— 
lichen, die heute besser gekleidet gehen als früher und die Likörstuben 
besuchen. 
Im Oktober 1914 wurden in Tegel unter der Leitung des 
„Roten Kreuzes“ Reserve-Lazarette eingerichtet, in denen zu Anfang 
viele Frauen und Jungfrauen des Ortes als Hilfsschwestern tätig 
waren. Die Lokale „Tuskulum“, „Kaiserpavillon“ und später auch 
das Sanatorium im Schloßbezirk waren zu diesem Zweck gegen hohe 
Pacht erworben worden. Beim Kaiserpavillon wurden noch 8 Ba— 
racken zur Quarantaine erbaut. Für die Verpflegung der Verwundeten 
erhielten die Lokalwirtes) für den Kopf und Tag 2,40 Mark. Die 
Seelsorge in den Lazaretten versahen die Ortsgeistlichen. 
Die eintreffenden Verwundeten wurden besonders in der ersten 
Zeit herzlich empfangen, mit reichlichen Erfrischungen versehen und 
durch die vom Standesbeamten A. Zernikow geleitete Tegeler frei— 
willige Sanitätsabteilung vom Bahnhof zu den Lagzaretten überführt. 
Bei der Einwohnerschaft erfreuten sich die Verwundeten der herz⸗ 
lichsten Teilnahme. Jeder fühlte den Drang, den verwundeten 
Kämpfern für die dem Vaterlande dargebrachten Opfer an Leib und 
Leben durch Liebesgaben aller Art seine Dankbarkeit zu beweisen. 
Sie wurden mit Delikatessen, Kuchen, Kakao, Kaffee, Zigarren, Bier 
und Wein beschenkt und in zahlreichen Fällen zu Tisch geladen. Die 
Weihnachtsfeiern in den Lazaretten wurden schön und feierlich her— 
gerichtet. Konzerte, Vorträge, Gesangsaufführungen wurden veran— 
staltet, um den Verwundeten Zerstreuung und Unterhaltung zu ver—⸗ 
schaffen. Leider hat diese Liebestätigkeit im Laufe des langen Krieges 
mit der wachsenden allgemeinen Notlage immer mehr eingeschränkt und 
schließlich ganz eingestellt werden müssen. 
Im Januar 1921 befanden sich im Lazarett „Kaiser-Pavillon“ 
noch rund 260 Patienten. Jeder von ihnen erhielt für den Tag an 
Löhnung und Kleidergeld 6,40 Mark, dazu freie Verpflegung und 
*) Hans Sager (GKaiserpavillon und Sanatorium), Zidorn (Tuskulum).
	        
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