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Erster Teil. Geschichte 16. Kapitel. Der Brand von Tegel 1835 und der Wiederaufbau des Dorfes. Bevölkerungsvorgänge des 19. Jahrhunderts. Die Lehnschulzen und Ortssiegel

Full text: Geschichte des Dorfes und Schlosses Tegel / Wietholz, August (Public Domain)

190 1. TEIL: GESCHIC-TE 16. KAPIT. DEPR BRAND VON TEGEL 1855 
den Landwirten die Tage unter schwerer Arbeit langsam dahin, denn 
wenn der sandige Acker etwas einbringen sollte, erforderte er viele 
Arbeit und Mühen. 
So war der 4. Mai des Jahres 1835 herangekommen. Fast 
alle Arbeitskräfte aus dem Dorf waren auf den Feldern tätig. Still 
und verlassen lag das Dorf im Maienglanz unter dem sprießenden 
Grün der Linden und Kastanien. Kaum regte sich ein Blatt. Regungs⸗ 
los lag auch der See, und erschien unter der Sonnenglut wie ein 
funkensprühender Spiegel. Doch jenseits über Spandau verdunkelt sich 
der Horizont. Schwarz und schwer türmt sich eine Wolkenwand 
empor, in der es zu rollen und zu zucken beginnt. Ein Gewitter 
zieht herauf. In wenigen Minuten hat es den See schwarz über— 
spannt und Tegel erreicht. Noch fahren die Blitze in den unruhig 
gewordenen See, und die Natur hallt wieder von gewaltigen Donner⸗ 
schlägen. Am Dachfenster des Forsthauses steht Oberförster Nobiling 
und blickt besorgt in die entfesselten Elemente. Da, ein greller Blitz 
und ein betäubender Donnerschlag, und aus einem Strohdach des 
Lehnschulzengehöftes steigt Feuer und Rauch empor. Es hat ein— 
geschlagen, zund in den nächsten Augenblicken steht auch schon das 
ganze Gehöft in Flammen. Niemand ist da, der retten kann, und 
so wirft der Wind die Flammen von Strohdach zu Strohdach, bis in 
wenigen Minuten die ganze Dorfseite nördlich der Kirche in Flammen 
steht. Als die Bauern vom Felde zur Rettung herbeieilten, war es 
ihnen nicht mehr möglich, an die Gehöfte heranzukommen, da der 
Wind den Rauch ins Dorf hinein und ihnen entgegentrieb. Es blieb 
ihnen nichts anderes übrig, als händeringend zuzusehen, wie ihre Ge⸗— 
höfte mit allem, was sie bargen, bis auf den Grund niederbrannten. 
Einige der Betroffenen retteten nichts, als das nackte Leben. Die 
vom Feuer zerstörten Gehöfte gehörten dem Lehnschulzen Ziekow, 
dem Bauer Dannenberg, dem Kossäten Christ. Müller, dem Bauer 
Michael Friedrich Müller, dem Krüger Schulze und dem Bauer 
Nieder. Es waren die Gehöfte, die links vom Lehnschulzenhof lagen 
und die linke Seite des Dorfes einnahmen. Die Dorfseite vom Lehn⸗ 
schulzen aus rechts war verschont geblieben. Hierzu gehörten die
	        
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