Path:
Erster Teil. Geschichte 14. Kapitel. Das 18. Jahrhundert. Genaue Beschaffenheit Tegels um 1721. Die königliche Oberförsterei und der Spuk im Forsthause. Die russische Invasion 1760

Full text: Geschichte des Dorfes und Schlosses Tegel / Wietholz, August (Public Domain)

166 1. TEI: GESCHICATE I4. KAPFEB. EINFIIIIRUNG DEP KARTOFFEL 
Im Jahre 1748 gab er seinen UÄmtern die Anweisung, die Unter—⸗ 
tanen zum Anbau der Kartoffeln anzuhalten. Die Bauern standen 
jedoch dieser wichtigen Bereicherung des Ackerbaues zuerst recht miß⸗ 
trauisch gegenüber, denn von Schlesien aus, wo man zuerst das Kraut 
dann die bitteren Beeren desselben genossen hatte, waren die „Erd⸗ 
Töffels“ oder auch „Tartuffeln“ genannt, nicht sehr empfohlen worden. 
Auch war der Ertrag der ersten Jahre sehr gering, so daß z. B. die 
Petershagener meinten, das Land wäre „so beschaffen, daß keine 
wüchsen“. 
Die ersten beiden schlesischen Kriege (1140 -— 42, 1744 - 45) 
brachten unserer Gegend an Lasten nur Einquartierungen, Vorspann⸗ 
dienste und die mit starken Truppendurchmärschen verbundenen Übel—⸗ 
stände. Dagegen wurde im dritten oder 7 jährigen Kriege (1756 bis 
1763) auch unsere engere Heimat für kurze Zeit zum Kriegsschauplatz. 
In welcher Weise das Land unter der feindlichen Invasion zu leiden 
hatte, zeigt am besten eine kurze Schilderung der Kriegsereignisse, wie 
sie sich um Berlin und seiner weiteren Umgegend abspielten. 
Während unser Landesvater siegreich in Schlesien kämpfte, wurden 
vom Wiener Hofe die Russen zu einem Einfall in die Kurmark 
Brandenburg bewogen, und die Generale v. Czernitschew und 
v. Tottleben mit ungefähr 20000 Russen und der General 
Lasci mit 14000 Hsterreichern im geheimen beordert, auf Berlin 
loszugehen. Am 3. Oktober 1760 erschien der russische General 
o. Tottleben mit einem russischen Korps ganz unerwartet vor den 
Toren der Hauptstadt und forderte deren Ubergabe. Da der Befehls— 
haber der Verteidigungstruppen, der Generalfeldmarschall v. Lehwald 
die Ubergabe verweigerte, wurde die Stadt mit 6 Kanonen und 
mehreren Haubitzen den ganzen Tag beschossen. Das Geschützfeuer 
wurde von der etwa 15000 Mann starken Besatzung erwidert. Gegen 
b Uhr abends wurde das feindliche Feuer so heftig, daß manchmal 
in einer Minute mehr denn 10 bis 15 Schüsse fielen. Die feindlichen 
Feuerkugeln waren alle mit langen Pech⸗ und Schwefelkränzen ver⸗ 
sehen. Trotzdem wurde nur ein Haus neben dem Kammergericht 
in der Lindenstraße in Brand geschossen. Danach führte der Feind
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.