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Erster Teil. Geschichte 13. Kapitel. Tegel im Jahrhundert des 30jährigen Krieges

Full text: Geschichte des Dorfes und Schlosses Tegel / Wietholz, August (Public Domain)

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große Tror bern Buben dern u. a., den jedes 
Regiment mit i schleypte, und der *5I voerpflegt werden mußte. 
Die Einquartierungslasten steigerten sich bis zur Unerschwinglichkeit; 
bekam doch ein Oberst wöchentlich 200 Taler. Neben der Zahlung 
der hohen Verpflegungsgelder, Kontributionen, Douceurs für die Offi— 
ziere, sah sich namentlich die Bepölkerung des flachen Landes und der 
kleinen Städte der gewalttätigsten und rohesten Behandlung ausgesetzt. 
„Da schonte man“, so klagt ein Augenzeuge,“) „weder des Alters noch 
des Standes noch sonst eines Menschen, sondern wie es da war, so 
ward es angezogen, daß ohne Unterschied Unzucht mit Morden und 
Mord mit Unzucht vermischt wurde. Denn nicht ohne Tränen kann 
es gedacht werden, wie diese Krieger das Weibervolk wie das Viehe 
zusammengetrieben, und bei hellem Tage herausgesuchet, was man 
gewollt, und für Männigliches Augen seine Teuflische Sündenlust ge— 
büßet, da denn manch Weib mit gefaltenen Händen um Gottes Willen 
um ihre Ehre gebeten, aber nicht erhalten können. Daher manch 
Schwangere ergriffen und darüber samt dem Kinde den Mund zu— 
tun müssen. ..“ 
Im Barnim lag ein Teil der Regimenter Jorquato Conti und 
St. Julian. Diese müssen sich durch besondere Zügellosigkeiten hervor— 
getan haben; denn im Winter 1629/30 sah sich der Kurfürst genötigt, 
Abgesandte an Wallenstein zu schicken, um ihm die entsetzliche Not des 
Landes vorzustellen. Wallenstein wiederholte zwar sein Verbot, Er— 
pressungen zu begehen; es wurde aber von den einzelnen Komman— 
deuren wenig beachtet. 
Aus Furcht vor solchen Greueltaten verließen viele Haus und 
Hof und flüchteten, andere brachten sich mit einem Teil ihrer Habe an 
einer verborgenen Stelle in Sicherheit. So geschah es auch in Tegel. 
Es liegt nahe, daß die Bewohner während solcher gefahrvollen Zeiten 
) Der Bernauer Probst Martin Strömann in seiner Leichenpredigt an 
der Leiche des Königs Gustav Adolf von Schweden, die am 17. und 18. De— 
zember 1632 gelegentlich ihzrer Ueberführung nach Schweden in der Bernauer 
Stadtkirche aufgebahrt war. S. Küster. Bibl. hist. S. 802.
	        
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