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Erster Teil. Geschichte 11. Kapitel. Tegel fällt nach Auflösung des Spandauer Klosters (1558) wieder an den Kurfürsten zurück. Rückblick auf die wirtschaftlichen Verhältnisse Tegels während der Klosterzeit. Das erste Tegeler Einwohnerverzeichnis um 1550. Streit um die Interessen am Mühlenfließ

Full text: Geschichte des Dorfes und Schlosses Tegel / Wietholz, August (Public Domain)

III. TEIL GESCuCHTE 11. kKaprTEI. EINVOMHNERSCHAFT UM I580 
mutlich Leumin, denn ungefähr 18 Jahre später, also um 1570, 
verkaufte der Lehnschulze Görß“) Leumin das Tegeler Lehnschulzen⸗ 
gut. (II. U. 8.) Damit hätten wir das erste vollständige Einwohner⸗ 
verzeichniis von Tegel aus den Jahren um 1550 nach Berufs⸗, Er⸗ 
werbs⸗ und Steuerklassen, und nur die Namen des Krügers und des 
Hirten fehlen. Einen eigenen Pfarrer und Küster hatte das Dorf 
nicht, weil es als Filiale zu Daldorf (Wittenau) gehörte und diese 
ümter vom Daldorfer Pfarrer und Küster verwaltet wurden. Tegel 
zählte 12 angesessene Familien mit ungefähr 72 Seelen, unter denen 
sich 40 Kommunikanten befanden. (II. U. 6.) Die Seelenzahl von 
1375 hatte sich somit um 4 Kossätenfamilien mit ungefähr 16 Seelen 
verringert. Vergl. Kap. 10.) 
Dieses Einwohnerverzeichnis nennt uns die Vertreter Tegels, 
unter denen sich der bedeutsame wirtschaftliche und kirchliche Umschwung 
vollzog. Sie waren die letzten klösterlichen und die ersten kurfürstlichen 
Untertanen und wohl auch die ersten Tegeler, die zum evangelisch⸗ 
lutherischen Glauben übertraten. 
In diese Zeit fällt die Gründung des Tegeler Gutes, dessen Geschichte 
im Kapitel 31 „Das Rittergut und Schlößchen Tegel“ dargestellt wird. 
Damit bekam Tegel im Nordwesten einen respektablen Grenznachbar, durch 
den sich die Einwohnerschaft in ihren bisherigen Rechten, die sie an 
der Grenzscheide, dem Mühlenfließ, besaß, sehr bald beschränkt, be—⸗ 
hindert und schließlich genötigt sah, gegen den neuen Gutsbesitzer Klage 
zu erheben. Diese Begebenheiten nötigen uns zu einem kurzen Rückblick 
auf die damaligen Tegeler Interessen am Mühlenfließ 
Das zwischen Tegel und Hermsdorf gelegene Fließtal, auch 
Löcknitz genannt**), war bei der deutschen Grund- und Bodenauf—- 
teilung des Barnim zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts im Besitz 
der Landesregierung verblieben, die die Fließ⸗ und Wiesennutzung an 
die Hüfner verpachtete. Solche Wiesen wurden „Laßzinswiesen“ 
Görß ist gleichbedeutend mit Göris, Georg oder Gregor. 
Nach Fidicin, „Territ. d. M. Br.“ und nach vorliegenden Tegeler Ur⸗ 
kunden des 14. und 17. Jahrhunderts wurde das weite Fließtal südwestlich von 
Hermsdorf früher „Löcknitz“ genannt. Das Wort ist wendisch und heißt auf 
deutsch sopiel wie Sumpfgewässer.
	        
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