634
ZENTRALBLATT DER BAUVERWALTUNG
23. Dezember 1922
die Gelehrtenschule Johanneum dar. die um
einen von einer Bogenhalle abgeschlossenen Ehrenhof
gruppiert ist. Bei dem Lehrerinnenseminar
an der Hoheweide sind geschickt Schule und
Seminar in zwei rechtwinklig zusammenstoßenden
Bauteilen untergebracht. Besonders reizvoll wirkt
hier die Behandlung des obersten, mansardenartig
ausgestalteten Geschosses. Die Volksschule am
Tieloh, eine Doppelschule für Knaben und Mädchen,
ist mit besonderer Liebe mit dunkel gebrannten
Klinkerskulpturen geschmückt.
Eine gewaltige Anlage mit 100 m Straßenfront
und 61,60 m Flügellänge ist das Institut für Geburtshilfe.
Hier sind mit der Entbindungsanstalt
noch ein Säuglingsheim und eine Lehranstalt verbunden.
Die Lage verlangte eine Anpassung an die
landhausmäßige Umgebung, die der Architekt sehr
geschickt durch die Anordnung eines Mansardendaches
erreicht hat. Reich geschmückte Portale und
eine schöne Brunnenfigur von Ulmer verleihen dem
Bau einen intimen Reiz. Auch das Kleinkinderhaus,
ein Bau, der erst während des Krieges errichtet
wurde, verdient besondere Beachtung. Die
lange Front ist durch die vorgezogenen Eckbauten
und einen eigenartigen Mittelbau, dessen mit einem
o©
o
C
Abb. 9. Irrenanstalt Friedrichsberg.
Offenes Haus.
n: 2oo
Abb. 10. Erdgeschoß. Irrenanstalt Friedrichsberg. Haus für Jugendliche.
Abb. 11. Erdgeschoß. Irrenanstalt Friedrichsberg. Offenes Haus.
großen Rundbogen geschmückter Giebel Anklänge an die Goslarer
Domkapelle zeigt, rhythmisch gegliedert.
Kleinere Bauten sind die breitgelagerte, fast behaglich wirkende
Feuerwache in Fuhlsbüttel und die vornehm-schlichte Leichenhalle
in der Jarrestraße, während das Verwaltungsgebäude
der Oberschulbehörde wieder einen mehr monumentalen Anstrich
hat. Bei letzterem ist auch Haustein verwandt, der vielleicht daran
schuld ist, daß der Bau nicht ganz den Reiz der warmen, persönlichen
Architektur Schumachers zeigt. Nicht vergessen darf aber
die Bücherhalle mit dem Mönckebergbrunnen werden. Dieser
klassische Bau in Muschelkalk gibt mit dem von Wrba entworfenen
Brunnen eine außerordentlich reizvolle Wirkung, die vorzüglich in
die Umgebung hineinpaßt. Der Bau selbst ist eine in der Platzausnutzung
vollendete Lösung, die Schumachers Können in glänzendem
Lichte zeigt.
Marcin o wski.
Vermischtes
Zerstörung der unter Luftdruck gegründeten Standpfeiler einer
Brücke über die Elbe in Magdeburg durch angreifendes Grundwasser.
Zu dem Aufsatz auf S. 141 d. Bi. erklärt der im Jahre 1915
„seitens der Stadtverwaltung weiter berufene technische Sachverständige“,
Baurat Karl Bernhard in Berlin, es nicht für richtig, daß
er, wie es auf S. 141 in der zweiten Spalte heißt, auch keine Erklärung
gewußt habe. Vielmehr habe er die Anregung zu den Untersuchungen
des staatlichen Materialprüfungsamtes gegeben, um festzustellen, ob
die im Pfeilerbeton gefundenen Treiberscheinungen auf die Beschaffenheit
des Zements oder auf die Einwirkung des artesischen Wassers
zurückzufübren seien. Zu der Erklärung des Prof. Dr. Gary über
die „Möglichkeit" der Betonzerstörung durch artesisches Wasser fügt
er ergänzend hinzu, daß es in dem Gutachten des Materialprüfungsamtes
vom 1. Oktober 1915 zum Schluß heißt: „Hiernach ist mit
Sicherheit der in dem Pfeiler aufgetretene Riß auf die Zersetzung
des Betons durch das unter Druck durchströmende artesische Wasser
und auf das Treiben des Zements infolge hohen Gipsgehaltes dieses
Wassers zurückzuführen“. Auch habe, wie der Verfasser des Aufsatzes
bestätigt, die chemische Untersuchung des artesischen Wassers
durch den städtischen Chemiker im Aufträge der Stadtverwaltung
schon vor der Besichtigung durch Prof. Gary stattgefunden, so daß
das Wort „daraufhin“ in dem Satze: „Eine daraufhin von einem
Chemiker vorgenommene Untersuchung . zu streichen sei. Die
Treiberscheinungen seien aber durch diese chemische Untersuchung
noch nicht genügend aufgeklärt, sondern erst durch die Untersuchungen
des Materialprüfungsamtes.
Daraus hat sich der folgende Schriftwechsel ergeben:
I.
Am 21. und 22. Juli 1915 war Baurat Bernhard als Gutachter im
Aufträge des Magistrats der Stadt Magdeburg erstmalig auf der Bau-