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Volltext : Geschichte des Dorfes und Schlosses Tegel / Wietholz, August (Public Domain)

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ZENTRALBLATT  DER  BAUVERWALTUNG

23.  Dezember  1922

die  Gelehrtenschule  Johanneum  dar.  die  um
einen  von  einer  Bogenhalle  abgeschlossenen  Ehrenhof ­
  gruppiert  ist.  Bei  dem  Lehrerinnenseminar
an  der  Hoheweide  sind  geschickt  Schule  und
Seminar  in  zwei  rechtwinklig  zusammenstoßenden
Bauteilen  untergebracht.  Besonders  reizvoll  wirkt
hier  die  Behandlung  des  obersten,  mansardenartig
ausgestalteten  Geschosses.  Die  Volksschule  am
Tieloh,  eine  Doppelschule  für  Knaben  und  Mädchen,
ist  mit  besonderer  Liebe  mit  dunkel  gebrannten
Klinkerskulpturen  geschmückt.
Eine  gewaltige  Anlage  mit  100  m  Straßenfront
und  61,60  m  Flügellänge  ist  das  Institut  für  Geburtshilfe. ­
  Hier  sind  mit  der  Entbindungsanstalt
noch  ein  Säuglingsheim  und  eine  Lehranstalt  verbunden. ­
  Die  Lage  verlangte  eine  Anpassung  an  die
landhausmäßige  Umgebung,  die  der  Architekt  sehr
geschickt  durch  die  Anordnung  eines  Mansardendaches ­
  erreicht  hat.  Reich  geschmückte  Portale  und
eine  schöne  Brunnenfigur  von  Ulmer  verleihen  dem
Bau  einen  intimen  Reiz.  Auch  das  Kleinkinderhaus, ­
  ein  Bau,  der  erst  während  des  Krieges  errichtet ­
  wurde,  verdient  besondere  Beachtung.  Die
lange  Front  ist  durch  die  vorgezogenen  Eckbauten
und  einen  eigenartigen  Mittelbau,  dessen  mit  einem

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Abb.  9.  Irrenanstalt  Friedrichsberg.
Offenes  Haus.

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Abb.  10.  Erdgeschoß.  Irrenanstalt  Friedrichsberg.  Haus  für  Jugendliche.

Abb.  11.  Erdgeschoß.  Irrenanstalt  Friedrichsberg.  Offenes  Haus.

großen  Rundbogen  geschmückter  Giebel  Anklänge  an  die  Goslarer
Domkapelle  zeigt,  rhythmisch  gegliedert.
Kleinere  Bauten  sind  die  breitgelagerte,  fast  behaglich  wirkende
Feuerwache  in  Fuhlsbüttel  und  die  vornehm-schlichte  Leichenhalle ­
  in  der  Jarrestraße,  während  das  Verwaltungsgebäude
der  Oberschulbehörde  wieder  einen  mehr  monumentalen  Anstrich
hat.  Bei  letzterem  ist  auch  Haustein  verwandt,  der  vielleicht  daran
schuld  ist,  daß  der  Bau  nicht  ganz  den  Reiz  der  warmen,  persönlichen ­

  Architektur  Schumachers  zeigt.  Nicht  vergessen  darf  aber
die  Bücherhalle  mit  dem  Mönckebergbrunnen  werden.  Dieser
klassische  Bau  in  Muschelkalk  gibt  mit  dem  von  Wrba  entworfenen
Brunnen  eine  außerordentlich  reizvolle  Wirkung,  die  vorzüglich  in
die  Umgebung  hineinpaßt.  Der  Bau  selbst  ist  eine  in  der  Platzausnutzung ­
  vollendete  Lösung,  die  Schumachers  Können  in  glänzendem ­
  Lichte  zeigt.
Marcin  o  wski.

Vermischtes

Zerstörung  der  unter  Luftdruck  gegründeten  Standpfeiler  einer
Brücke  über  die  Elbe  in  Magdeburg  durch  angreifendes  Grundwasser. ­
  Zu  dem  Aufsatz  auf  S.  141  d.  Bi.  erklärt  der  im  Jahre  1915
„seitens  der  Stadtverwaltung  weiter  berufene  technische  Sachverständige“, ­
  Baurat  Karl  Bernhard  in  Berlin,  es  nicht  für  richtig,  daß
er,  wie  es  auf  S.  141  in  der  zweiten  Spalte  heißt,  auch  keine  Erklärung
gewußt  habe.  Vielmehr  habe  er  die  Anregung  zu  den  Untersuchungen
des  staatlichen  Materialprüfungsamtes  gegeben,  um  festzustellen,  ob
die  im  Pfeilerbeton  gefundenen  Treiberscheinungen  auf  die  Beschaffenheit ­
  des  Zements  oder  auf  die  Einwirkung  des  artesischen  Wassers
zurückzufübren  seien.  Zu  der  Erklärung  des  Prof.  Dr.  Gary  über
die  „Möglichkeit"  der  Betonzerstörung  durch  artesisches  Wasser  fügt
er  ergänzend  hinzu,  daß  es  in  dem  Gutachten  des  Materialprüfungsamtes ­
  vom  1.  Oktober  1915  zum  Schluß  heißt:  „Hiernach  ist  mit
Sicherheit  der  in  dem  Pfeiler  aufgetretene  Riß  auf  die  Zersetzung

des  Betons  durch  das  unter  Druck  durchströmende  artesische  Wasser
und  auf  das  Treiben  des  Zements  infolge  hohen  Gipsgehaltes  dieses
Wassers  zurückzuführen“.  Auch  habe,  wie  der  Verfasser  des  Aufsatzes ­
  bestätigt,  die  chemische  Untersuchung  des  artesischen  Wassers
durch  den  städtischen  Chemiker  im  Aufträge  der  Stadtverwaltung
schon  vor  der  Besichtigung  durch  Prof.  Gary  stattgefunden,  so  daß
das  Wort  „daraufhin“  in  dem  Satze:  „Eine  daraufhin  von  einem
Chemiker  vorgenommene  Untersuchung  .  zu  streichen  sei.  Die
Treiberscheinungen  seien  aber  durch  diese  chemische  Untersuchung
noch  nicht  genügend  aufgeklärt,  sondern  erst  durch  die  Untersuchungen
des  Materialprüfungsamtes.
Daraus  hat  sich  der  folgende  Schriftwechsel  ergeben:
I.
Am  21.  und  22.  Juli  1915  war  Baurat  Bernhard  als  Gutachter  im
Aufträge  des  Magistrats  der  Stadt  Magdeburg  erstmalig  auf  der  Bau-
            
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