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Begründung der Villenkolonie

Full text: Chronik von Gross-Lichterfelde / Lüders, Paul (Public Domain)

Erwägt man diese geyet »naßen vornehm abgeschlossene 
Lage der beiden Ortschafte un“ Gutssitze, zu denen der 
Lärm der Heerstraße nicht 53355 dringen konnte, und da— 
bei die Möglichkeit, dieselben durch Anlage von Bahn⸗ 
stationen an der Berlin-Potsdamer- und Berlin-Anhalter 
Eisenbahn leicht zu erschließen, so ist anzuerkennen, daß 
hier für ein kolonisatorisches Unternehmen bei dem wach— 
senden Bedürfnis der Hauptstadt, außerhalb für weite Kreise 
ihrer Bewohner Siedelungen zu schaffen, ein sehr günstiger 
Boden vorhanden war. Daß der märkische Sand bei ge— 
eigneter Behandlung sehr wohl vegetationsfähig gemacht 
werden konnte, dafür waren schon an anderen Stellen zu— 
vor hinreichende Beweise geliefert. 
Es war im Jahre 1864, als Carstenn, der über ein 
Vermögen von etwa zwei und einer halben Million Mark 
und eine nicht unbedeutende Jahresrente zu verfügen hatte, 
nach Berlin kam, von vornherein in der Absicht, dieses 
Kapital zur Anlage vornehmer Villenkolonien vor den 
Thoren der Hauptstadt zu verwenden. Er hatte zuvor in 
Wandsbeck bei Hamburg ein ähnliches Unternehmen mit 
gutem Erfolge durchgeführt und ging nun gestützt auf die 
dort gemachten Erfahrungen darauf aus, mit der jung 
aufstrebenden preußischen Residenz ein gleiches zu ver— 
suchen. Die Zeitverhältnisse waren günstig, und es gelang 
Carstenn, der das Vorteilhaste der Lage Lichterfeldes und 
Giesensdorfs mit sicherem Blick erkannte, die schwerverschul— 
deten Güter von dem Grafen von Königsdorf wohlfeil — 
für circa 350,000 Thaler — zu erwerben. 
Mit der nämlichen Absicht zu parzellieren kaufte Car— 
stenn auch noch das Rittergut Wilmersdorf mit Friedenau. 
Euergie, Kühnheit, kaufmätnt?che Gewandtheit und 
last not least Glück waren dic Voraussetzungen, unter 
denen das Unternehmen einen günstigen Ausgang erwarten
	        
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