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Die Stadt Cöpenick a) Geschichtliches

Full text: Führer von Cöpenick und Umgebung (Public Domain)

schattenhaft. Nur eine interessante Tatsache hebt sich aus den 
spärlichen Aufzeichnungen heraus. Sie fällt in jene Zeit des 
Raubrittertums, in der ein zielbewußter Hohenzollernwille seinem 
Lande Schutz gegen die schrankenlose Willkür der Herren vom 
Stegereif verschaffte. Im alten Cöpenicker Schlosse war es, wo 
der Ritter Ottenstedt von Süßengrund (dem heutigen Adlers- 
hof), seinem Kurfürsten und Herren die Drohung ans Schlafgemach 
schrieb: 
„Jochymke, Jochymke, höde dy, 
Wo wi dy kriegen, da henken wy dy“. 
Allein „Jochymke“ ließ sich nicht beirren. Als ihm verraten 
wurde, daß sieben Ritter mit ihren Reisigen im Morgengrauen 
ihm in der Wuhlheide auflauerten, nahm er alle mit Waffengewalt 
fest und ließ die hochedien Herren ohne Ausnahme hängen. Noch 
heute erinnert der vom Restaurant „Sadowa“ durch die Wuhlheide 
führende breite Eichenweg, der sogenannte „Kurfürstensteg“, an 
jenen Überfall. 
Ums Jahr 1350 befand sich auch der „falsche Waldemar“ 
im Cöpenicker Schlosse, wo er mehrere märkische Ritter belehnte. 
Im Jahre 1550 verschwand der alte Bau und machte einem 
neuen Platz, dem sogenannten „mittleren Schlosse“, Im Auftrage 
des Kurfürsten Joachim II., dem der vorige Bau die Erinnerung 
an die Otternstedts, Lindenbergs etc. wohl zu lebhaft ins Gedächtnis 
zurückrief, erbaute sein Baumeister Caspar Theyß ein neues 
Schloß, das des Kurfürsten liebster Aufenthalt wurde. Er selbst 
war bekanntlich ein leidenschaftlicher Jäger und unternahm von 
hier aus in die herrlichen Wälder um Cöpenick manche Jagdpartie, 
Hier fand er auch im Jahre 1571 nach einer Wolfsjagd in den 
Müggelbergen seine letzte Ruhe. Nach der Rückkehr von der 
Jagd speiste er noch am Abend im Kreise seiner vertrauten Räte. 
In der Nacht befiel ihn ein heftiges Unwohlsein und nach wenigen 
Stunden schleß er die Augen zum ewigen Schlaf. Sein Tod wurde 
dem damaligen kurfürstlichen Finanzmann Lippold, einem Juden, 
verhängnisvoll. Dessen Feinde behaupteten, er hätte dem Kur- 
fürsten Gift in den Wein geschüttet. Und diese Behauptung 
genügte, um dem Unglücklichen den Prozeß zu machen. Er wurde 
auf gräßliche Weise hingerichtet. 
Im dreißigjährigen Kriege hatte der Schwedenkönig Gustav 
Adolf das Cöpenicker Schloß mehrere Tage als Hauptquartier 
inne. 1658 wurde in den Räumen desselben ein alchymistisches 
Laboratorium eingerichtet und 1677 machte der ganze Bau einem 
neuen Schlosse Platz. 
Dasselbe spiegelt noch heute seine Zinnen in den dunklen 
Fluten der Dahme. Erbaut wurde es auf Befehl des damaligen 
Kurprinzen Friedrich, des nachmaligen König Friedrich I. Von 
ihm kündet noch heute eine Inschrift am Portale des Schlosses: 
Friedericus Princeps Elector Brandenburgensis 
MDCLXXXIL
	        
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