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Volume No. 11, 17. März 1832

Full text: Der Berlinische Zuschauer / Dielitz, Johann Gottlob Ludwig Karl (Public Domain) Issue1.1832 (Public Domain)

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dem Timotheus nicht genug erzaͤhlen kann, an ihrer Stelle 
ist. Denn einen andern Grund kaun Niemand legen, außer 
dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christ (1. Kor. 3, 11). 
keute also, welche von diesem Grunde nichts wissen wollen, 
das Besserungswerk eines Menschen anders, z. B. durch 
freiwillige oder gezwungene Arbeits-Anstalten und wie die 
zußerlichen Mittel alle helßen, fundamentiren und sich mit 
einer christlichen Außenseite, etwa als Anstrich, begnuͤgen zu 
koͤnnen meinen, sind nicht zur Mitwirkung bei einer vorzugs⸗ 
weise geistlichen Angelegenheit, als die Besserung der Gefan⸗ 
genen (nicht etwa bloß der Gefaͤngnisse) ist, geschickt. — Doch, 
wir sind von der Berliner Dieben auf die Mittel, den 
Diebereien hier vorzubeugen, gekommen; die Sachen liegen 
oder sollten doch nahe bet einander liegen; denn Luther 
sagt schon: „die Dieberei ist das gemeinste Handwerk und 
die groͤßte Zunft auf Erden“ und: „da ist gar selten Einer, 
der nicht einen Dieb im Busen traͤgt.“ Damit der Zuschauer 
aber nicht mißverstanden und ihm nachgesagt wird, er hielte 
auf Ephes. 4, W nicht, so will er nur noch kuͤrzlich bemerkt 
haben, daß er keinesweges gegen die vorbemerkten aͤußer⸗ 
lichen Mittel, wohl aber gegen ihre Ueberschaͤtzung und vor 
Allem dagegen ist, ein geistlich Werk ungeistlich zu behandeln. — 
Zu den Gattungen der hiesigen Verbrechen zuruͤck. Das 
Hausrecht haben 1830 verletzt 68, das Jahr darauf nur 123 
wegen unerlaubter Selbsthuͤlfe kamen in Untersuchung resp. 
87 und 60; wegen Wucher 8 und 6. (Ach! wenn das als 
ein Beweis angesehen werden koͤnnte, daß der Wucher ab⸗ 
nehme; aber weit gefehlt davon)) 
3. Die Anzahl der Gefaͤngnisse ) ist im Laufe des vo⸗ 
rigen Jahres nicht vergroͤßert; die Unzulaͤnglichkeit des jetzt 
vorhandenen Gelasses hat aber den Bau eines Gefangenhau⸗ 
ses fuͤr 80 Schuldgefangene, welcher im Laufe dieses Jahres 
beendigt wird, herbeigefuͤhrt; die in dem neuen Gefaͤngnisse 
angebrachten Voxrichtungen zur Verbesserung der Luft haben 
sich vollstaͤndig bewoaͤhrt. Es ist auch im Laufe des vorigen 
Jahres ein Badehaus mit zwei Wannen eingerichtet, welches 
einem gefuͤhlten Beduͤrfnisse abhifft. 
4. Eine Classifizirung der Gefangenen nach dem Alter und 
den Verbrechen hat bei der Beschraͤnktheit des Raumes und 
bei der Ruͤcksicht, welche fortwaͤhrend auf die Collusionen un⸗ 
ter Genossen eines und desselben Verbrechens genommen 
werden muß, noch nicht eingefuͤhrt werden köͤnnen. — Die 
Verhaftung von Knaben wegen Polizei⸗Contraventionen ist 
durch neuere Verfuͤgungen beschraͤnkt; desto mehr hat sich 
J Wenn doch der Zuschauer von dem Gefaͤngnisse des Adnigl. Justiz⸗ 
and Rentamtes Mühlenhof etwas erzahlen und berichten koͤnnte, daß die einige 
Dezennien schon in schrijtlicher Verhandlung begriffenen Verbesserungen desselden 
endlich! einmal auch zur Ausführung gekommen sind? 
die Anzahl der jugendlichen Detinirten im hiesigen Arbeits⸗ 
hause vermehrt)c)d. — 
5. In den meisten Gefaͤngnissen werden fortwaͤhrend 
leichte Handarbeiten getrieben, so daß nur wenigen und vor⸗ 
ugsweise den schwerern und verstockten Verbrechern waͤhrend 
der Dauer der Untersuchung die Wohlthat der Beschaͤftigung 
nicht gewaͤhrt wrd. 
Wohlthaͤtigkeit in Breslau. 
Außer der den Kirchen und Schulen, ingleichen den mil⸗ 
den Stiftungen, bloß in der Stadt Bres lau im Laufe des 
Jahres 1831 an Geschenken und Vermaͤchtnissen zugeflossenen 
bedeutenden Summe von 17,867 Thlre4 Sgr. 11 Pf. hat 
neuerdings der kuͤrzlich daselbst verstorbene Kaufmann Groll⸗ 
ner verschiedenen milden Stiftungen der Stadt Breslau 
3500 Thlr., so wie den Armen der Gemeine Goy (Kreis 
Ohlau, Reg. Bez. Breslau) 2200 Thlr. vermacht, nachdem 
er fuͤr diese schon bei Lebzeiten die Kosten des Neubaues 
der dortigen Kirche aus eigenen Mitteln getragen hatte. 
Wie viel Geschenke und Vermaͤchtnisse moͤgen wohl hier 
im verflossenen Jahre den milden Stiftungen zugeflossen sein? 
Die desfalsige Notiz wuͤrde den Lesern des Zuschauers gewiß 
interessant sein, und deshalb erlaubt derselbe sich, um gefaͤllige 
desfalsige Nachricht hierdurch zu bitten. 
Eine Novelle in der Nuß. 
Es ließe sich eine artige Erzaͤhlung von den sonderbaren 
Schicksalen des Schicksals schreiben, von jener Zeit, wo un⸗ 
ser Schiller es zuerst in seinem Wallen stein (dieser wahr⸗ 
haft Griechischen Schicksalstragoͤdie) und den Epigrammen be— 
nannte, wie es sich von da durch die Fata der Jungfrau 
winden und in der Braut von Messina schon als Spuk 
erscheinen mußte, in der Schuld gemartert wurde, das 
Februar⸗Fieber kaum uͤberstanden, von der Ahnfrau und 
dem Bilde matt und leblos aufgefangen ward, und nervem 
schwach nun wohl in Gehe's Anna Boley verschieden 
sein wird. 
Dem allgemein verehrten Prasidenten Heren Rother, und dem mit 
hm zur Erzlehung * fittlich verwahrlos'te Kinder verbundenen Mannern. 
verden die Verliner dald für eine hoͤchst erwunschte Vergroͤßerung der Knaben⸗ 
Unstalt auf's Reue dankbar verpflichtet sein. Gott segne diese edien Bemuhun⸗ 
zen und lege es den fädtischen Vehörden nur desto mehr an's Herz, der Vor⸗ 
euguug der Verwahrlosung unausgesetzt Fleiß und Nachdenken zu wibmen und 
hr im Glauben an den, der da will, daß allen Menschen geholfen werde und 
zatß alle zur Erkenntniß der Wahrheit kommen (1. Tim. Z 4.), entgegen zu 
rbeiten.
	        
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