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Volume No. 1, 7. Januar 1832

Full text: Der Berlinische Zuschauer / Dielitz, Johann Gottlob Ludwig Karl (Public Domain) Issue1.1832 (Public Domain)

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wog 1 Centner 50 Pfund), 13 Elendthiere (das schwerste9 
Cntr. 75 Pfd.) und 2 Rehe (im Ganzen 57 Stuͤck). Ge⸗ 
zgenwaͤrtig kann ein Auer nur auf Kaiserlichen Befehl er⸗ 
legt werden. (Die Polnischen Insurgenten und Streif⸗Corps 
werden es kuͤrzlich nicht haben daran fehlen lassen.) Der 
Wald wird ringsher von 118 Jaͤgern bewacht, die an der 
Brenze des Waldes an solchen Stellen wohnen, die ihnen 
von den fruͤheren Koͤnigen Polens zur Urbarmachung verlie⸗ 
hen worden waren. Außer jenem Krondorfe giebt es noch 6 
Doͤrfer mit 108 Haͤusern, deren Einwohner (sie heißen Ossot⸗ 
schinki, weil sie fruͤher die Verpflichtung hatten, 14 Tage im 
Walde die wilden Thiere einzukreisen, waͤhrend der Oberfoͤrster 
auf sie Jagd machte) fuͤr die Auer an der Stelle, wo diese 
sich aufzuhalten pflegen, Heu machen muͤssen; im Ganzen 
fuͤr's Jahr 750 Fuder, das Fuder zu 20 Pud. — Die mei—⸗ 
sten der Jaͤger waren zu Zeiten August III. Deutsche, und 
hre Nachkommen leben noch jetzt hier mit denselben Deut⸗ 
schen Namen (Fuͤhler, Schoͤtter, Wapp), nur sind sie katho⸗ 
lisch, und sprechen gleich den andern Waldbewohnern einen 
sich der Polnischen Sprache naͤhernden Kleinrussischen Dia⸗ 
ekt. — Merkwuͤrdig ist es, daß man bei der neuen Aufnahme 
des Waldes ein Stuͤck Landes von 120 Dessaͤtinen vergaß, 
vorauf sich 3 kleine Laͤndereien mit 25 Haͤusern befinden; 
man nennt die Bewohner Budniski; sie waren fruͤher aus 
dem hohen Polen, vielleicht von Gallizien dahin gekommen, 
am die große Potaschen⸗Fabrike anzulegen, und da diese auf— 
gehoben wurde, so vergaß maͤn jene gaͤnzlich; sie hatten da⸗ 
her bis jetzt keine Abgaben entrichtet. (Die Gluͤcklichen — 
maq mancher Leser denken!) 
Zum Schlusse erzaͤhlen wir dem Leser noch, wie das 
Zaͤhlen der Auer vorgenommen wird. Jede Unterfoͤrsterei ist 
aach der Anzahl der Jaͤger in mehrero Theile getheilt, die 
Iroͤßeren in 16, die kleineren in 5 oder mehr; die Einthei⸗ 
ung jeder Unterfoͤrsterei in diese Theile wird meist durch 
kleine Wege bestimmt, welche die Jaͤger zufaͤllig in ihnen 
inden. Den dritten Tag, nachdem im beginnenden Winter 
um erstenmal Schnee gefallen ist, wird die Zaͤhlung in einer 
Stunde vorgenommen, meist von 10 — 11 Uhr. Die Auer 
muͤssen alsdann, von Hunger getrieben, bestimmt an die 
Heuhaufen gehen, und also den Ort der Ruhe, zu der sie 
etwa durch die Kaͤlte gezwungen waren, verlassen. Jeder 
Jaͤger hat zwei Kerbstoͤcke, einen laͤngeren, und einen kuͤrze⸗ 
ren; auf diesem bemerkt er, wenn ein Auer aus seinem Grenz⸗ 
theile in einen andern uͤberging, was er an den Fußtapfen 
im Schnee erkennt; auf jenem hingegen, wenn der Auer bei 
ihm blieb, und nicht weiter ging. Dieser wird alsdann von 
ihm als wirklich vorhanden gezaͤhlt, waͤhrend der weggegangene 
erst da gezaͤhlt wird, wo er sich beim folgenden Jaͤger bis 
zur Stunde 11 verweilte. Gegen 12 Uhr haben die Jaͤger 
ihre Unterfoͤrster von der Zahl der aufgefundenen und wei— 
jer gegangenen Auer benachrichtigt, und diese kommen alsdantz 
solbst zusammen, um nun die Zahl auf's Neue zu berichtigen; 
denn auch hier tritt derselbe Fall wieder ein, daß ein Auer 
von der rinen Unterfoͤrsterei in die andere uͤberging, und als⸗ 
dann nicht in der ersten, wohl aber in der zweiten gezaͤhlt 
werden muß. Dann erst kommt die allgemeine Zahl heraus ), 
die sehr genau sein soll, und dem Foͤrster berichtet wird. 
Aus des Professor E. Eichwald naturhistorischet 
Skizze von Litthauen, Volhynien und Podoliem 
Wilna, 1830. 2355 S. in 4.) 
Zur vaterlaͤndischen Geschichte. 
Es gehoͤrt zu den muͤßigsten, und umuͤtzesten Bemuͤhun 
gen eines Geschichtschreibers und Topographen, den Ursprung 
des Namens eines Landes oder einer Stadt erklaͤren zu 
wollen, wenn dieser nicht, wie z. B. bei Koͤnigsberg oder 
Marienburg in Preußen, geschichtlich erklaͤrbar ist, sondern 
aus unhaltbaren Hypothesen hergeleitet werden soll. Mit 
solchen wunderlichen und laͤcherlichen Erklaͤrungen beschaͤftigen 
sich gewoͤhnlich die aͤlteren Chroniken⸗ und Staͤdtebeschreibungen 
uuch Preußens. Den Namen Preußen hat man von brutis 
zerleiten wollen, den Namen Danzigs vom Tanzen; Konitz 
soll seinen Namen daher erhalten haben, daß die ersten 
Erbauer der Stadt, auf dem Platze derselben, eine Kuh 
mit dem Kalbe im Neste (ein Kuhnest) gefunden, und 
Lucanus meint: der Name Gumbinnens stamme von dem 
itthauischen WorteGumbos“ her, welches Bauchgrim⸗ 
men bedeutet, „welcher Zufall einen oder den andern Ein— 
vohner ehemals betroffen haben mag.“ — Prof. Voigt 
in seiner Geschichte Preußens. Bd. II. S. 221) erzaͤhlt, 
wie nahe am Ufer der Weichsel die erste Ritterburg im Kul⸗ 
merlande mit dem alten, schon vor der Ritter Ankunft vor⸗ 
vommenden Namen Turno, Turn oder Thorn entstanden sei; 
and in seiner Geschichte Marienburgs erzaͤhlt derselbe Ge⸗ 
chichtschreiber (S. 217), daß der sogenannte Buttermilchthurm 
oder Butterthurm erst im Jahre 1412 erbaut worden, und 
in der Zeit des Ordens keinesweges jenen fabelhaften Na— 
men getragen, sondern von seiner Form der schibelichte (d. h. 
runde, denn Schibe ist so viel als Scheibe, und schibelicht so 
vbiel als scheibenfoͤrmig oder rund) Thurm geheißen hat. Somit 
ist es also keinem Zweifel unterworfen, daß die bekannten 
Traditionen von dem Uebermuthe der Bauern in Groß Lich⸗ 
tenan, im Marienburgschen Werder, welche der Hofmeister 
Konrad pon Jungingen (lebte vor 1412) verurtheilt habe, 
rinen ansehnlichen Thurm an der Nogat zu erbauen, und 
* nnd wer·dnicht auben witl, ver mag selber nachrählen. 
Unm. des Setzers.
	        
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