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Volume No. 52, 29. Dezember 1832

Full text: Der Berlinische Zuschauer / Dielitz, Johann Gottlob Ludwig Karl (Public Domain) Issue1.1832 (Public Domain)

seitigen, von dem Armen-Beamten ergriffen werden koͤnne. 
Nun, laut wuͤrde dergleichen zwar Niemand leicht sagen, weil 
er schon wuͤßte, bei einem Publikum, wie das unsrige, damit 
nicht durchzukommen, aber seine Herzensmeinung waͤre es 
doch wohl; wie moͤchte er sonst in jenem Falle das Beuehmen 
des Armen-Beamten gut heißen? * 
Das große Friedrichs⸗Waisenhaus hat bekanntlich dreier⸗ 
ei Arten von Kinder in Fuͤrsorge, noaͤmlich:; 
—A 
in einem Filial, bis jetzt noch in der Louisenstr. Nr. 32.); 
die Waisen⸗Kostkinder (d. h. elternlose oder der 
elterlichen Pflege einstweilen ermangelnde Kinder, die in 
Kost hierselbst untergebracht sind, jetzt etwa 800); 
die sogenannten Mutterkinder (d. h. die meist bei ihren 
Maͤttern selbst, oder falls diese dienen, oder sie aus son⸗ 
sttigem Grunde nicht bei sich haben koͤnnen, bei andern 
LZeuten untergebracht sind, jetzt 1100). 
Die letztgenannte Klasse von Kindern, deren wunderlicher 
Name schon oft aufgefallen und jetzt in de passendern: 
pflegekinder, umgewandelt ist, kommen von Ostern kuͤnf⸗ 
tigen Jahres an aus aller Beruͤhrung mit der Anstalt, und 
zanz unter die Armen⸗Commissionen, welche bisher schon die 
Aufficht uͤber sie und uͤber die Waisen-Kostkinder zu fuͤhren 
hatten, und, wie sehr zu hoffen, in diesem wichtigen Theile 
hrer Verwaltung der Theilnahme verstaͤndiger und chrifflich 
zgesinnter Hausfrauen sich vergewissert haben werden ). Aus 
dieser, zuvoͤrderst eine Geschaͤfts⸗Vereinfachung erzielenden, 
Maßregel koͤnnen ersprießliche Folgen erwachsen, wenn die 
Aufsichtsfuͤhrung uͤber die Pflegekinder und ihre Mutter, 
fuͤr welche das pPflegegeld ein Almosen ist, und deren Ver⸗ 
haͤltniß mithin des eines Almosen-Empfaͤngers ist, gewissen⸗ 
haft gefuͤhrt, und bei der Bewilligung des Pflegegeldes streng, 
d. h. so verfahren wird, daß dessen Unentbehrlichkeit in jedem 
inzelnen Falle sich zweifelfrei herausstellt. Beides ist von 
den Armen⸗Commissionen mit Grund zu hoffen; Gott wolle 
hren Bemuͤhungen in dieser wichtigen Angelegenheit reichen 
Degen schenken, und er wird es, wenn darum gebeten wird, 
denn — heißt es in Paul Gerhards Liede — „es will er⸗ 
heten sein.“ 
— 
Der Verein zur Befoͤrderung des Schulbesuchs armer 
Kinder, uͤber dessen gesegnete Wirksamkeit wir in Nr. 9 die⸗ 
) Wie gern haͤtte dieses Blatt Naheres Aber diesen so oft und so drin⸗ 
gend darin zur Sprache gebrachten Gegenstand mitgetheilt. Aber, um es zu 
vbnnen, müßlen wir erfahren haben, in welchen Armen⸗ Commissions-Bezirken 
die Berbesserung in der Beaufsichtigung der untergebrachten Kinder wirklich in's 
deben getreten sei. So ist uns aber daruber auch nicht ein e Mittheilung 
Seitens der Wohllsblichen Armen⸗ Commissionen zugegangen! Und doch baten 
rir vielfach darum durch dieses Blatt, hoffend, daß dessen Preis nicht zu hoch 
rin werde, um nicht wenigstens in jeder Armen ⸗ Commission für deren Mit⸗ 
Zieder ein Exemplar zu halten! 
ses Blattes S. 65 berichtet haben, hat in diesem“ Jahre 
234 Knaben und 179 Maͤdchen mit der zum Besuche der 
hnen Seitens der Commune bewilligten freien Schule durch⸗ 
zus noͤthigen neuen und tuͤchtig gearbeiteten Kleidung ver⸗ 
ehen, 209 arme Kinder aber, welche, da, leider! noch nicht 
in allen Theilen der Stadt Communal-Armenschulen sind, 
den Parochialschulen uͤberwiesen, und deren Eltern nicht im 
Stande gewesen sind, ihnen die erforderlichen Lehrmittel an⸗ 
zuschaffen, diese gewaͤhrt. Dies dankbar zu melden, macht 
ans Freude; moͤchten diesem wesentlich nuͤtzlichen Vereine 
recht viele Herzen und Gaben zufallen! Keiner der hiesigen 
Wohlthaͤtigkeits⸗Vereine steht in einer so engen und zweck⸗ 
maͤßigen Verbindung mit der Armen-Direction, als der 
Verein zur Befoͤrderung des Schulbesuchs armer Kinder, ein 
Punkt, auf den es bei der Wuͤrdigung der verschiedenen Thaͤ⸗ 
tigkeiten dieser Vereine nach unseren Grundsaͤtzen hauptsaͤch⸗ 
lich ankommt. Nicht, daß viel und von vielen Seiten oft 
gleichzeitig gegeben wird, thut Noth, sondern, daß die Gaben 
der Liebe und der unermuͤdlichen Wohlthaͤtigkeit unserer lieben 
Mitbuͤrger im moͤglichst engen Zusammenhange der Behoͤrde 
und der Vereine der wirklichen Noth schnell und moͤglichst 
in jedem einzelnen Falle genuͤgend abhelfen. An der Auf⸗ 
zabe haben wir hier noch viel zu thun; in Dresden hat man 
reelle Fortschritte in ihrer Loͤsung gemacht, wovon wir im 
naͤchsten Jahre mehr zu melden gedachten. 
Am 15ten d. M. hat die nicht dankbar henug anzuer⸗ 
kennende Armenspeisung durch die Direction der Armenspei⸗ 
sungs-Gesellschaft begonnen. Die Suppe ist von derselben 
zuten Qualitaͤt, als die des vorigen Jahres; die Vertheilung an 
Duͤrftige geschieht zweckmaͤßig wiederum durch die Armen⸗Com⸗ 
nissionen, welchen (ein merkwuͤrdiger Zufall) gerade 1832 
Zpeisemarken fuͤr die letzte Haͤlfte dieses Monats uͤberwiesen 
vorden sind. Wenn doch die Vertheilung von Feuerungs⸗ 
Material eben so zweckmaͤßig eingerichtet waͤre! (Vergl. 
— 
Stimme aus Graͤbern. 
Nach Wahrheit ringt, in Furcht und Schmerz, 
Dein Geist, in Blindheit noch gebunden. 
Beluͤge nie Dein eig'nes Herz, 
So hast die Wahrheit Du gefunden. 
Aufloͤsung der Charade in der vorigen Nummer. 
Schuß — Huß. 
Aufloͤsung des Logogryphs in Nr. 48. 
Friesel — Riese.
	        
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