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Volume No. 47, 24. November 1832

Full text: Der Berlinische Zuschauer / Dielitz, Johann Gottlob Ludwig Karl (Public Domain) Issue1.1832 (Public Domain)

—5* 
So wenig man den Menschen in zwei Haͤlften zerlegen 
kann, von welchem die eine dem Staate, die andere der Kirche 
angehoͤrt, eben so wenig kann und darf auch Staat und Kirche 
aus einander gerissen werden. Diese hoͤhere Einheit des Staats 
und der Kirche immer vollstaͤndiger zu realisiren, ist eine der 
wichtigsten Aufgaben fuͤr die Regierungskunst. Der vollstaͤn⸗ 
digen Verwirklichung derselben stehen allerdings da Hin⸗ 
senisse entgegen, wo Fuͤrst und Volk verschiedenen Religions⸗ 
Bekenntnissen huldigen. Wo aber dies nicht der Fall ist, da 
tritt jene schoͤne, sinnvolle, haͤufig nur nicht gehoͤrig verstan⸗ 
dene und gewuͤrdigte Lehre in's Leben, welche als Frucht der 
Reformation gereift ist, und seit drei Jahrhunderten fuͤr das 
Gluͤck und den inneren Frieden der protestantischen Staaten 
unendlich segensvoll gewirkt hat, die Idee, mit der Wuͤrde 
des Staats⸗Oberhaupts das Recht eines obersten Bischofs in 
seiner evangelischen Landeskirche zu verbinden. 
L8c41e8. 
Die in der hiesigen Zeitung enthaltene Todes⸗Anzeige? 
Der Einband des schoͤnen und hoffnungsvollen Werkes 
Oskar Mader, Studiosus theologiae, wurde am 2ten Ok⸗ 
ober, nachdem er wenige Wochen vorher von der Heilquelle 
Salzbrunnen in's elterliche Haus zuruͤckgekehrt war, der Mutter⸗ 
Erde wieder zuruͤckgegeben. 
Das Werk wird, neu revidirt unb verbessert vom großen 
Autor im großen Lichte erscheinen. Dies der einzige Trost 
der sehr betruͤbten Eltern und des einzigen Bruders. 
zZuͤllichau, im Oktober 1832. Maͤder.“ 
ist eine Nachahmung der Franklinschen Grabschrift, welche 
duchstaͤblich also lautet: 
„Hier liegt der Leib Benjamin Franklin's, eines 
Buchdruckers (gleich dem Deckel eines Buches, aus welchem 
der Inhalt heraus genommen, und der seiner Inschrift und 
Vergoldung beraubt ist), eine Speise fuͤr die Wuͤrmer; doch 
wird das Werk selbst nicht verloren sein, sondern (wie er 
zlaubt) dermaleinst erscheinen in einer neuen schoͤnern Aus⸗ 
gabe, durchgesehen und verbessert von dem Autor. “ 
Die Maͤdersche Nachahmung verhaͤlt im Vergleich gegen 
das Original sich ungefaͤhr so, wie die Ruͤckseite einer ge⸗ 
wirkten Tavete zu deren Vorderseite. 
In der Spenerschen Zeitung vom Sten d. M. steht Fol⸗ 
zendes; 
Dem Herrn Baron von Rumohr danke ich fuͤr die 
gefaͤligen Erinnerungen in den: drei Reisen nach Ita⸗ 
lien. Ich werde antworten. Nur bitte ich um Nachsicht, 
wenn es nicht sogleich geschieht. — 
Berlin, 1. November 1832. A.Hirt.“ 
Der Zuschauer dachte dabei an eine Antwort Lavater's 
an Baggesen: 8 J 
„Wir sollten uns doch Alle, wenn nicht unserer gemein⸗ 
schaftlichen Staͤrke wegen — gegenseitig schaͤtzen; doch wenig⸗ 
ttens unserer gemeinschaftlichen Schwaͤche wegen — gegen⸗ 
seitig lieben.“ W 
Die Antwort koͤnnen wir uns Alle insgesammt nicht 
reiflich genug uͤberlegen. Wenn wir danach thun, ist es 
noch besse. 
—— 
Das Schuldenmachen 
raubt meistens alle Seelenruhe und Zufriedenheit. 
Kein Borger sei und auch Verleiher nicht! 
Sich und den Freund verliert das Darlehn oft: 
Und Borgen stumpft der Wirthschaft Spitze ab.“ 
amlet (1.3.) 
Auch Lessing (im Nathand sagt. 
„Borgen st 
Viel besser nicht als Bettein ““··· 
„Verachtung des Geldes macht weit mehrere und bessere 
Menschen ungluͤcklich, als dessen Ueberschaͤtzung. Wer arm 
wird — nicht, wer's ist — verdirbt und verderbt, und waͤre 
es nur, weil er jeden Tag einen andern Glaͤubiger oder 
denselben anders zu beluͤgen hat, um nur zu bestehen.“ 
(Iean Paul.) — Darum merke wohl: Ordnung fuͤhrt zu 
allen Tugenden. 
In meinem Ganzen ist's bald warm, bald kaͤhlt 
Nimm ihm das Haupt, so waͤchst es in den Bruͤchen. 
Nimm ihm den Fuß, so siehst Du's in den Kuͤchen. 
Nimm Haupt und Fuß, so braucht's ein Stand sehr viel. 
Logogryph. 
Aufloͤsung des Logogryphs der vorigen Nummer 
Bengel — Engel — Enge. 
Redacteur und Herausgeber: Dr. Karl Dielitz, Lindenstraße Nr.110. — Im Verlage und gedruckt bei A. W. Haon 
Zimmerstraße Nr. 29.
	        
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