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Volume No. 35, 1. September 1832

Full text: Der Berlinische Zuschauer / Dielitz, Johann Gottlob Ludwig Karl (Public Domain) Issue1.1832 (Public Domain)

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sang er dann wohl die Marseillaise. Fuͤr die letzte · Nacht 
seines Lebens bat er sich etwas seinere Betttuͤcher aus!! ) — 
Es waͤre interessant, von dem fruͤhesten Bildungsgange der 
merkwuͤrdigsten Verbrecher ganz genaue Kunde zu ermitteln 
und bekannt zu machen. Wie mag Reindl erzogen und unter⸗ 
richtet worden sein?“) 
Die arme Mutter *). 
Die Mutter singt und wiegt gar lind, 
Daß Soͤhnlein suͤß soll schlasen. 
„Schlaf' ruhig ein, mein holdes Kind, 
Die Mutter fuͤr Dich wachet. 
Sie haben Dir, im weißen Kleid, 
Den Bruder fortgetragen; 
Die Seele wacht in Ewigkeit, 
Der Leib ruht kuͤhl im Grabe. 
Wir entlehnen diese Zuge aus einer nach zwoͤlf Jahren von einem Herrn 
Barthelemy St. Hilaire aus den besten Quellen verfaßten Beschreibung Louvel 
und seines Verbrechens. Herr Barthelemt glaubt, Niemand habe bis jetzt diesen 
Louvel vollkommen gekannt; sein Plan habe sechs Jahre, das Komplott der 
Franzosischen Nation aber sechszehn Jahre gedauert! (Ein Beitrag zur Wür⸗ 
digung der Juli-Revolutien für den, der eines solchen noch bedarf)) — Hert 
Borthelemy kommt siets darauf durũc, das Louvel kein gewohnliche Morder 
nab bas Leben eines Menschen in seinen Augen unverletlich sei“ Fur die Augen 
an Regleren pichtmalig derusenen Regenten keinesweges. (Röm. 13, 4.) 
*Es besinden fich gegenwaͤrtig hier und in den Polizel⸗ Bezirken der Haupt. 
aabt 4047 Personen beideriei Geschiechts (darunter 1524 weibliche) als be⸗ 
rafte Verbrecher unter polizeilicher Aufsicht. Das diese bei den der Polizei zur 
Disposition siehenden Kraͤften nur ungenügend sein kann, bedarf wohl keines 
Beweises; wie mag fie verbessert werden können? Es scheint einfach, wenn man 
jagt, dadurch, daß den entlassenen Straf⸗ Gelangenen die Wahl der Resuten; 
zu ihrem Aufenthaltsorte untersagt wird; aber das scheint nur einfach. Zurdr⸗ 
herst sind die mieisten dieser Leute aus Berlin, und müs ten alle gestrafte 
an entlassenen Berliner aus dem ganzen Staate hierher zurüdkehren, so wuͤr · 
den wir gewiß eine noch großere Zahl, als die obige, in unserer Mitte ha⸗ 
ben. Irgendwo aber müͤssen die von den Strafe Anstalten Entlassenen doch bleb⸗ 
ben, und es wurde die Berliner Commune wohl schwerlich den Muth haben, lier⸗ 
aAnter eine Ausnahene uad Privilegium fur fich in Anspruch zu nehmen, also 
dar keine Entlassenen in ihrer Mitte aufzunehmen. Hätte die Commune cher 
zuch diese Lust, so würde fie sich Unlust damit bereiten, denn es liegt auf der 
pand, daß die Staats-Regierung niemals eine solche Ausnahme machen wird. 
Was bleibt also anders aͤbrig, wenn die Commune nicht bei'm Lamentiren eß 
bewenden lassen wiu, als daß sie in ihrer Mitte Kraäfte sucht, um die dohzei 
iche Aufsicht zu verbessern und wicksamer zu machen, als sie dermalen sein kenn? 
Bergl. Nr. II dieses Blattes S. 85.) 
** Aus den (Berlin, bei L. Oehmigke 1832. 142 S. 8. erschienenen) 
xkampfbildern von Karl Johaun HSoffmann. Die im Anhange mitgetheilte 
neglichst treue Uebersezung des ersten Gesanges der Odpssee des Homer in 
Omave⸗ Rimen verdient Aufmerksamfeit. 
Und werden mir die Augen truͤb', 
Wend' ich sie gleich nach Oben. 
Im Himmel, sagt Dein Vater lieb, 
Wird's besser uns erzogen. 
Da sind die frommen Engelein, 
Die freundlich mit ihm spielen; 
Dann ruht's, gehuͤllt in Sternenschein, 
Gar weich auf sammtner Wiese.“ 
Und wie's die Mutter nehmen will, 
Weil ihm die Aeuglein wachen, 
Da steh'n sie beide starr und still: 
Es war im Herrn entschlafen. 
Da nimmt sie, wie das Herz ihr bricht, 
Sich von der Wand die Bibel, 
Un weinen kann sie, als sie spricht: 
Do Himmelreich ist ihre! 
esefrüchte und Reflexionen. 
Dr Gedanke an Gott, den Mancher aus der Kirche 
brine⸗ ist schon in seiner Dunkelheit nicht unthaͤtig. So 
berrorren auch bei Diesem oder Jenem diese Vorstellung in 
dem Augenblick sein mag, da er das Gotteshaus verlaͤßt, so 
wit sie doch manche Neigung und manchen Entschluß lenken, 
minche boͤse That zuruͤckhalten, manche gute veranlassen· 
Es ist mehr als langweilig — es ist empoͤrend, wenn ein 
Sawatzer entscheidende Urtheile uͤber Dinge ausspricht, die 
gaͤrzlich außerhalb seines Horizontes liegen. 
Logogryph. 
Mein Ganzes trink', es schmeckt Dir gut, 
Ist weiß und gelb und roth, wie Blut. 
Ein Zeichen nimm: aus meinem Thor 
Schwingt etwas Schoͤnes sich empor. 
Aufldsung des Homonyms in der vorigen Nummer. 
F l un 
Redactenr und Herausgeber: Dr. Karl Dielitz, Kronenstraße Nr. 32. — Verleger: Karl K uͤhn, Breite Straße 
Nr. 25. — In Commission fuͤr den Buchhandel: in der Ens lin' schen Buchhandlung (Ferdinand Muͤller), 
Breite Straße Nr. 23. — Gedrnuckt bei A. W. Hayn. I
	        
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