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Volume No. 23, 9. Juni 1832

Full text: Der Berlinische Zuschauer / Dielitz, Johann Gottlob Ludwig Karl (Public Domain) Issue1.1832 (Public Domain)

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hart betruͤbt, so wird sein Nachfolger weise genug sein, in 
jeder Beziehung ihm aͤhnlich zu handeln. Der Mangel der 
Constitution also kann mich in meinem Urtheil nicht irre machen, 
um so minder, als noch dahin steht, ob nicht unser theurer 
Koͤnig noch eine solche verleiht, wenn auch nur, um durch die⸗ 
selbe Preußen mit den andern Deutschen Staaten auf's Neue 
innig zu verbinden.“ — Es ist erstaunlich, was manche Dichter 
in Vorworten zusammenbringen koͤnnen. Mit den Bemer⸗ 
kungen uͤber Preßfreiheit, die sich darin sinden, wollen wir 
den Leser verschonen, dagegen aber zu seiner Erfrischung und 
Herzstaͤrkung Folgendes zu bedenken geben: „Wer nicht das 
sinnlose Geschrei nach Verfassung und Charte mitmacht, nicht 
die Deutschen Reformers à la (der Name ist beliebig einzu⸗ 
schalten, z. B. Hunt, Heine n. s. w.) fuͤr wackere Verfechter der 
Freiheit haͤlt, nicht den Bombast unserer Halb⸗ und Achtel Phi—⸗ 
losophen als welterloͤsende Ideen preiset, kurz, wer nicht jede 
Mode⸗Thorheit mitmacht, ist eben so schlimm, ja noch schlimmer 
verketzert, als man es zu irgend einer Zeit geistlicher Tyrannei 
werden konnte.“ (Siehe Solger's Schriften. S. 750.) 
Herzens⸗Richtung. 
Stell himmelwaͤrts, stell himmelwaͤrts, 
Wie eine Sonnen⸗Uhr, Dein Herz! 
Denn wo das Herz nach Gott gestellt, 
Da geht es mit dem Schlag, da haͤlt 
Es jede Prob' in dieser Zeit 
Und haͤlt sie in der Ewigkeit. 
Es geht nicht vor, es geht nicht nach, 
Es schlaͤgt nicht stark, es schlaͤgt nicht schwach, 
Es bleibt sich gleich, geht, wohlgemuth, 
—A—— 
Und steht's dann still in seinem Lauf, 
Ziehts unser lieber Herr Gott auf. 
Zum Armenwesen. 
Die in manchen Laͤndern, namentlich in England, durch 
Zwangsmaßregeln geschehende Versorgung der Armen ist die 
fruchtbarste Quelle der Armuth und verdient die ernstlichste 
Betrachtung aller Menschenfreunde. Die Armen Unterstuͤtzung 
darf nicht als Praͤmie auf Armuth wirken. Der Stand des 
Armen darf kein geehrter sein. Wenn das Brod des Armen 
auch nicht bitter sein soll, so darf es ihm doch nicht suͤß ge⸗ 
macht werden, weil dadurch das, was die minder Wohlha⸗ 
benen aber dem Abgrunde der Armuth erhaͤlt, der vorsichtige 
Dinn, der das Zukuͤnftige berechnet, und der Trieb, seinen 
Zustand durch eigene redliche Anstrengung zu verbessern, ver⸗ 
nichtet wird. Ob es wohl praktisch waͤre, zwel Armenkassen 
zu haben, wovon die eine bloß nach dem Maßstabe der 
Nothwendigkeit ohne Ruͤcksicht auf die Ursache der Armuth, 
und also nicht mehr giebt, als schlechterdings zur Fristung 
des Lebens erforderlich ist, die zweite aber, von ganz an⸗ 
deren Huͤnden verwaltet und mehr durch freiwillige Gaben 
gefuͤllt, ausschließlich denjenigen einen Zuschuß gewaͤhrt, welche 
verschuldet in's Elend sanken? ) 
) Eins. kann fuͤr eine selche Trennung nicht stimmen, welche suder die 
kosten im Gangen ungemein vermehren, also (das ist die Hauptsache) den Em—⸗ 
pohnern, die eawas besihen, zulert theurer werden wuͤrde, als eine mit Geist 
and Leben, also auch mit der größten Oeffentlichkeit gefuhrte Armen · Verwal⸗ 
ung. Woren wir überhaupt nicht aller Kritik verluftig gegangen Aalles Nach⸗ 
denkens, aller Vorsicht in offentlichen Dingen, und hatten wir nicht, eingewiest 
nit dem Ammenworte, daß die Berwaltung des Armenwesens, der wodlthätigs 
Verein u. s w. das Beste wollen, mit dem Interesse auch an der Tyatkro 
— wurde die vorgedachte Ver⸗ 
valtung jeht nicht uͤber Mangel an Gemeinsiun in dem Grade zu klagen be⸗ 
techtigt sein, als es der Fall zu sein scheintt. 
eogogryph. 
Wenn lieblich sich des Fuͤrsten Blick 
Herab auf Nied're senkt. 
nd er in dem ererbten Gluͤuft 
Auch Andere bedenkzzz 
Wenn freundlich edler Frauen Mild— 
Den Guͤnstigen belohnt 
In ihrem Aug' ein sanftes Bild 
Verschaͤmter Minne wohnut: 
Dann ist's mein Wort, das sie erweisen, 
Dann kann mein Wort sie einzig preisen. 
Doch nur zwei Zeichen gieb dem Wort, 
Das so viel Schoͤnes nennt 
Und fort ist Milde, Sanftmuth fort, 
Es lodert, raset, brennt 
Es ist ein Gift, das den verzehrt, 
Der Laster sich bewußt ⸗— 
Und den der Lockung Reiz bethoͤrt 
Und einer Suͤnde Lust. 
O moͤchten doch die boͤsen Zeichen 
Von meinem Woͤrtlein ewig weichen: 
Aufloͤsung des Logogryphs in der vorigen Nummer 
Lkauf — faul. 
Zedacteur und Herausgeber? Dr. Karl Dielitz, Kronenstraße Nr. 32. — Gedruckt bei A. W. Hayn.
	        
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