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Von Bürgern und Kindern

Full text: Berlin und die Berlinerin / Ostwald, Hans (Rights reserved)

bunten Sarben, bei den vielen Ligen, Treffen und Yuffchlägen war bald 
ein Sled zu entfernen oder ein Stud aufzuarbeiten. Die Bürgerinnen 
fauften auch jene buntbedrudten Stoffe, deren Herftellung der Soldaten: 
fönig verboten, um die Mollinduftrie zu heben. Weil keine foldhen Kattune 
geführt merden durften, gaben die Fabrifanten und Buntdruder dem Kattun 
andere Namen. So nußte auch die größte Strenge nichts gegen die Mode, 
die nun einmal für bunte Zeuge mar — die zu Röden, Schürzen, Halss 
tüchern und zu allen möglichen Imeden vermendet murden. 
ZTroßdem die Häufer nicht fehr hoch im Wert fanden, mußten fich 
die gerade nicht ehr bemittelten Kreife auch damals {chon mit ihren Wohnungen 
recht einfchränfen. Vrediger, Hofräte und Ungehörige ähnlicher Berufe 
begnügten fich mit zwei big drei Stuben und Kammer und Küche, wie das 
Confentius fehr anfchaulich in feinem Buch „Berlin um 1740“ befchrieben 
hat. Ihre Frauen mußten nicht weniger genau und überfichtlich wirt{haften 
fönnen, mie die Frauen derfelben Kreife in unfern Tagen. Bei ihnen gabs 
feine mit Gobelintapeten ausge{chlagenen Zimmer; felbft die Tapeten aus 
Leinmand, morauf Verfonen oder Ornamente mit Slfarben gemalt, maren 
in den bürgerlichen Häufern nicht zu häufig; viele begnügten fich mit bedructem 
Wachstuch, mit dem die Wohn: oder Prunkfiube ausgefchlagen mar — In den 
andern Zimmern gabs vielfach nur meiße Mänte. 
Das häusliche Leben der Bürger änderte 
fich nur menig im 18. Jahrhundert. Die Ge: 
jelligfeit fam noch nicht zu furz. In manchen 
Häufern gabs zmar fchon die jährlich ein- 
malige Seneral-Ubfütterung, bald Dürftig, 
bald derb und üppig (Mercier, 1798). YWber 
viele RNeifende wifjen von einem eifrigen ge- 
felligen Verkehr zu berichten. Nach der „Cha- 
tafteriftif von Berlin“, 1784, zielten „die meb- 
reften Zufjammenfünfte dahin, ein neues 
Meublement oder gar ein neues Kleid zu 
zeigen und fich über feine Mitmenfchen Iuftig 
zu machen“. Durch die vielen Bälle und 
Vidnids, durch die mwmollüftigen Lieder von 
Voltaire, Grecourt und KRoft mürden die 
jungen Mädchen abgehalten, fich Kenntniffe 
zu ermerben, ibren Seift zu vervolllfommnen; 
nur auf Buhlerei und Eitelkeit mürden fie be: 
Ichränkt. „Die Mütter haben Schuld daran, 
wenn du die junae Unfchuld unter den Klauen 
LAN Otter 
enmzeinlame NMäharbeit.
	        
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