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Die Damen

Full text: Berlin und die Berlinerin / Ostwald, Hans (Rights reserved)

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maren die Masfenbälle der großen Varieteblhnen und des Metropolthcaters 
denn auch vielfach ein Sammelpunfkt eleganter, veranügungsfüchtiger Sejfcll: 
ichaftsfreife, die natürlich nicht hinfamen, um in Sad und Ajche zu beten. 
Doch die Prinzen und Offiziere in Zivil und die freigebigen Lebeleute halten 
fich jeßt Ichon fehr zurüg und die Kaufleute, befonders die Konfektionäre 
fönnen unter den Tänzerinnen mählen. Die kommen ja nur hin, um ge- 
wählt zu werden. Die wenigen Damen aus Berlin W., die folche Bälle 
aus Neugier — und unmasfiert befuchen, fallen hier auf, wie die we- 
nigen befannten Damen vom Theater. Jene Damen vom Theater aber, 
deren Name nie bekannt werden kann, weil er nie auf den Zettel fommt, 
und jene, die meder beim Theater noch [onfimwo find und die nur nach Befannt- 
fichaften {treben, fallen nicht auf. Sie fißen bald in LXogen und trinken 
Zelt — oder {uchen im bunten Trubel unten im Saal einen von den nie 
masfierten Herren, daß er für Ceft forge. 
Das Ganze ift eigentlich nichts als eine turbulentere Zujammenhäufung 
von Bildern und Vorgängen, wie fie die teureren Ballokale in jeder Woche 
einige Male bieten. Mie etwa die Urkadiafäle in unmittelbarer Nachbarjchaft 
des Metropoltheaters. Wenn das Theater beendet ift, kommen einige Kofotten 
in großer Toilette heraus, laifen [ich vom Publikum anftaunen und raufchen 
mit gerafften Spigen und Seidenröden, Foftbare Wbendmäntel über den 
Schultern, in den Eingang zum Tanzlaal und fahren im rotgepollterten 
Sabhrituhl hinauf. 
Jım Saal bligernde Spiegel, Gold, Purpur, Parfumgeruch, Zigaretten: 
rauch, viel Mufikf, fMingende SGläfjer, Sektmädchen, Niggertänze, Ballett, 
getanzt von frühverdorbenen, gefchäftsfundigen Märchen, koftbare Ball- und 
Sefellichaftstoiletten und auch manchmal nur einfache Straßen: und Zimmer: 
fleider oder helle Blufen. Nur in menigen Lokalen wird die Eleganz durch- 
geführt und die beften Pläßge den Sektonkeln referviert. Xn den meiften 
Lofalen ift es, wie es im berühmten Embergjchen Saal mar: Bei einem 
Slafe Bier kann man dem Tanz zufehen, harmlofen Rundtänzen, die nur 
fjelten von frechen Bewegungen durchbrochen merden. SGemshnlich tanzen 
die Herren wenig und fehen dem Trubel zu. AWber aus den SGefichtern ver 
Märchen, die im üblichen Straßenrog und der hellen Blufe die einfacheren 
Säle befuchen, leuchtet es: Tanz — Tanz — Tanz —. Co ift es gemwefen 
bei Emberg, mo die Studenten, die Künftler und Hantlungsgehilfen und wohl 
auch mal orientalijche Prinzen zujahen. So ift es noch in dem Meinen Lokal 
von Tante Brünfch, in dem auch die Herren eifrig tanzen. Co {ft es auch 
bei Mundt, dem alten, typifchen Lokal: Gleich vorn am Eingang figen mehrere 
Gruppen von Mädchen, die jeven Eintretenden anlachen, anfprechen und 
(oden. Märchen in arellen, billiaen Demimonde-Kleivdern. Märchen, mit
	        
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