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Die Halbwelt

Full text: Berlin und die Berlinerin / Ostwald, Hans (Rights reserved)

Sam ©ryheum. 
diefem glänzend ausgeftatteten Etabliffement menig und kann fich nur in dem 
Maffinement des Zoilettenlurus mit dem Raume meffen, in dem cs [ich bewegt. 
Wohl entfalten die Venuspriefterinnen hier beim Tanz viel Grazie, aber mas 
ijt Grazie ohne Jugend? Da in diefem Lokal fehr viel auf eine überaus reiche 
Toilette gefehen wird, fo fönnen natürlich nur folche Vertrauensperfonen hier 
verkehren, die im Dienfte des Lafters fich eine foldhe ermorben haben, und 
dieje find gewöhnlich Ichon die bejahrteren. Hin und mieder fieht man aller 
dings auch jüngere SGeftalten, die erft feit hırzem die Bahn des Lafters be: 
treten haben.“ 
Ähnliche, nur dürftiger ausgeftattete Lofale maren über die ganze Ctadt 
verffreut. Überall gab es an einzelnen Wochentagen Koftumbälle und 
Balletaufführungen, die ein AWbfklatjch der großen Fecrien und Yusftattungs: 
(tüce des damaligen großen Viktoriathcaters maren. Überall mar damals 
die Yusftattung die Hauptfache. Dann famen die Attraktionen, die SJürftin 
Vignatelli alg Orchefterdirigentin im Courjaal. Und fchließlich drängte fich 
die verfchleierte Proftitution auch in die Veranftaltungen der Vereine und 
Sefellfchaften. SGemiffe Theaterdbamen gingen auf die Bühnenbälle nur, um 
mit Herren anzuknüpfen, deren ronenreiches Portemonnaie Ihnen mehr 
Erfolg verfprach alg die befte Bühnenrolle. 
Mo folche Unternehmungen mehr oder meniger vornchmer Vereine und 
Sefellichaften zum Markt der Berufsfreude werden, müfjfen die Veranftal- 
tungen der Veranlügungsinduftrie von vornherein zu [oldhem Zmed beftimmt 
fein. Anfanalich, in den achtziger und neunziger KXahren des 19. Jahrhunderts
	        
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