Path:
Kleinbürgertum und Proletariat

Full text: Berlin und die Berlinerin / Ostwald, Hans (Rights reserved)

lichen damit ins GScficht, Bei dem „vermegenen Menfchenichlag“, der 
nach SGvcthes Wort in Berlin Ichte, mar das vielleicht felbfit in der 
Biedermeicrzeit nötig. 
Und auch die hübfchen Jungen Frauen, die zum Einkauf auf die Mürfkte 
aingen, durften nicht nur licbliche Gefchöpfe fein. Die Berliner Höfer: und 
Marktweiber maren allezeit gefürchtet ob ihrer furchtlojen Rede. Dürben 
hat eine von ihnen gezeichnet, mie fie zwifchen ihrem Kram fikt, die Arme 
ver[chränft, und herausfordernd fragt: „Wat, Sie mill mir!“ S. 264. 
Sn diefen Worten licgt die ganze friegerifhe Stimmung des Berliner 
Marktmeibes. Glaßbrenner hat im dritten Band „Berliner Volfsleben“ eine 
Anzahl Ancfvoten von ihnen mitgeteilt, von denen bier noch einige ftehen 
mbacn: 
Das Stebhlen. 
Mehrere Höferinnen faßen auf einem Pla und unterhielten fich. 
Während des Gejprächs zog die eine aus Ccherz der andern das Cchnupf: 
tuch aus der Seitentafjche. Diefje bemerfte es erft, als die andern lachten, 
un® fagte, indem fie dag Tuch wiedernahm: „Det muß ig fagen, det EStehlen 
verftehlte meifterhaft!“ — „Na, hör’ mal,“ antmortete die andre und ab 
lie ein wenig von Dder Seite an, „dein Lob Ffönnte mir wirklich 
tolz machen!“ 
Bordellizene im 18. Yahrhundert. 
KT 
Die Stinte. 
Eine Höferin, welche CStinte zum Kauf 
umbertrug, licß auf dem Hofe ihre Stentor: 
itimme erfchallen. Der Wirt diefes Haufes 
itedte feinen Kopf aus dem Fenfter und rief: 
„Na, dummes Weib, geh Sie doch auf die 
Straße und Ichreie Cie hier nicht Ihre 
Stinte aus!” — „I,“ antwortete ie 
Hoferin, „Ich Er doch mal! Worum foll ic 
denn nich {hreien? Wenn meine Stinte fo’n 
großet Maul hätten wie er, denn fönnten fe 
‘ch freilich allcene ausrufen !” 
Bar keine Zeit. 
Ein Herr fragte neulich zur Mittags: 
‚cit eine Hokferin, mas die Glode wäre. 
„Nicht!“ war die Antmort, 
„Wiefo ?“ 
„Nu, et is noch nich mal eeng!“
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.