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Höker und Hausierer

Full text: Berlin und die Berlinerin / Ostwald, Hans (Rights reserved)

Er mir doch den Iefallen, um reiß” Er fich licher feine Ninderzunge aus ’n 
Halle, damit Er fich nich mehr blamieren Fann! Häng Er fich doch licber 
an ’n Salgen, damit Feen anftändijer Menfch mehr en Verbrechen bejeht. 
Ey zwecbhcenije Diftel, um fich feibft zu füttern, nehm’ Er fih doch ne 
Laterne und Ieucht” Er fich untern Nennftcen runter, damit Er endlich 
jeine Beftimmung erlangt! So ’n Kerl, der von oben bis unten wic 
'n bohler Zahn ausfieht, will reptirlihe LXcute cujenieren? Laß’ Er fich 
doch lieber jlühendet Blei in’n Hals jießen, und reiß Er fih unten feine 
zce Murzeln aus, damit Er ve Welt feene Schmerzen mehr verurfacht! 
It mwecß mwoll, mat id mir unter feine Brille uf de Nafe denke, un wat Cr 
darunter ig! Knautfch Er fich doch lieber zujammen un jeh’ Er zum Plunder- 
maß, un verfoof Er fich vor'n Viertel Pfund Lumpen, damit menigftens 
noch mal en Stück Papier aus En mwerdt, mat man benußen kann! Rehnrt 
Er fich doch de Watte aus de Waden un ftopp Er fe fich in feine Ejelsohren, 
damit Er nich feine eijene Schande hören muß! Neiß’ Er fich doch feine Beene 
aus, nchme Er fe in feine Taßen, und tromnle Er damit fo lange uf [cin Kalb- 
fell rum, bis de Amerikaner Feuer [hreien! Nehnt Er fich doch Kicsfand un 
Ichaure Er [ich rcene, damit nifcht von Em übrig bleibt! Er abjefnabberte 
Kälberpote, Taß Er fich [ich doch zu Leim Iochen und en Stichelinecht mit [ich 
zufammmen Heben, damit Er doch zu etwas nuße is! Häng’' Er fih voch an 
Mond, damit de Lüderjahns früh zu Haufe jehen! I, Er abjejriffene Yolizeiz 
linke, nehm’ Er fich ja in Acht, det Er de Currendejungens nich zu naly 
fommt, {onft fingen die: Jott beiwahre mir in Inaden!” 
&8 mar gewiffermaßen ein Sport geworden, die Höferweiber zum 
Schimpfen zu reizen. Yhre Fertigkeit in diefer Kunft ftammte aber nicht erft 
aug der Zeit Glaßbrenners. In vielen Berichten aus dem 18. Jahrhundert 
mird fie {chon ermähnt. Tlantlaquatlipatli berichtet 1789: Einmal kam eine 
Bürgersfrau und wollte einen Braten einkaufen. „Wie teuer ift das Pfund 20 
— „Zwei Grofchen (24 Pfennig)” — — „Zmweiundzwanzig Pfennige ift die 
Tare!” — „Ei mas, Tare! Für fulches Kernfleifch haben wir keine Zare !”— 
„Sch habe aber nicht nötig, mehr zu zahlen !”—, Wirklich ?“ rief die handelnve 
Srau Schlächtermeifter höhnifch. „Um Vergebung, mo wohnen Cie, Junge 
rau? Sch will es Ihnen noch obendrein nach Haufe tragen laffen! —" 
Die Höfer von dazumal mußten fih alfo noch einer Tare unterwerfen 
und fonnten nicht belicbige Preife fordern. Yuch damals gab es {hon Herum- 
siehende aller Art, die ungefähr den heutigen CStraßenhändlern glichen. 
Nur zogen fie nicht mie heute mit Pferd und Wagen durch die Ctadt, fondern 
trugen ibre „Hähnefens“ (Kinderfpickzeug), „Äppel“, „Kerle oder Zimt- 
preßeln in Körben. Im Sommer gingen fie mohl noch in bloßen Süßen. Im 
Minter, um Meihnachten herum, fanden fie mit Glüdwinfchen an den
	        
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