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Die Damen

Full text: Berlin und die Berlinerin / Ostwald, Hans (Rights reserved)

an 
Srau deg Minijters vder des 
Benerals gilt zıvar auch hier mehr 
alg tie beweglichere und hübfchere 
Sraun des Börfenmannes ober die 
intelligentere Arbeitsfraft ciner An- 
gehörigen wiffenfchaftlicher Berufe. 
Die Ehre, die der EStaat austeilt, 
bedeutet cben doch noch mehr als 
die Ehre des Befißes. Und {fo 
fommt es, daß die Damen des 
Selvavrels wohl hier und da bei 
den gefellfchaftlichen Erecignifjen, 
bei Zheaterpremieren, Sünfuhrtecs 
in den erlten Hotels, in Yusz 
tellungen, SGartenfeften, auf den 
Preifcbällen und an Nennz und 
Varadetagen von den Damen der 
SGeburtsariftofratie und der höheren 
Bürokratie flüchtig begrüßt werden; 
im übrigen aber bleiben die Kreife 
ziemlich feft abacarenzt für fich. 
Huf den großen Feierlichkeiten der 
Rohblenbarone, DBörfenbebherrfcher 
und Großunternchmer finden [ich 
zıvar auch heute {chon häufiger als 
rüber allerlei Kreife zufjammen. 
Yber zu cinem iIntimeren Verkehr 
und geiftigen Yustaufch zwijchen 
den verfehiedenen Cchichten kommt 
cg heute faft feltener als vor hundert Jahren. Die Töchter des Adels und der 
Bürokratie unterjeheiden fich nicht nur außerlich von denen des Geldes und 
der Intelligenz. Cie gehen gern auf die Wohltätigkeitsfefte, auf Bazare und 
Konzerte. Cie arbeiten auch gemeinfam in Sigungen und Yusfchlffen. 
Aber zu einer gefelljchaftlichen Vermifchung Ionunt es troßdem nicht. Gewiffc 
Kreife bleiben immer erflufiv und fehen den Befuch ver Hoffeite immer noch 
alg einc größere Notwenkigkeit an, als etıva den Befuch von Vorträgen ober 
andere geitige Zütigkeiten. Conderbarerweije gibt cs auch im reich gewurz 
denen Bargertum genug Damen, die fich in die Kreife der Bürokratie und 
deg Hufadels einfchmeicheln wollen, die dort mehr Werte zu finden glauben 
alg bei fich und in fich. Und doch haben fie gewöhnlich ein eigenes Heim,
	        
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