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VII. Einquartierung für die Berliner und Privilegien für Ausländer

Full text: Das steinerne Berlin / Hegemann, Werner (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Steuerrückstände übernehmen konnte, verband der Große Kurfürst seine 
Schanzarbeiten mit einer kühnen Stadterweiterung, die an das alte Cölln 
im Westen Werder und im Süden Neu-Cölln angliederte. (»Neu-Cölln 
am Wasser«, der Streifen am Südufer des linken Spreearms, ist nicht 
zu verwechseln mit dem späteren Rixdorf, das sich heute Neu-Kölln 
nennt.) Werder wurde Friedrichswerder genannt und aus kleinlichen Ab- 
sichten (um die Steuerrechte der Altstadt und die Rechte der Alt-Berliner 
Zünfte zu umgehen) zur selbständigen Stadt gemacht. Als sich die Ver- 
waltung durch kurfürstliche Beamte als untauglich erwiesen hatte, wurde 
der holländische Architekt Memhard auf Lebenszeit zum Bürgermeister 
ernannt, ein Amt, das in neuerer Zeit viel zu selten mit tüchtigen, im 
Ausland gebildeten Baumeistern besetzt wird. Unter diesem baumeister- 
lichen Bürgermeister Memhard, demselben, der den ältesten Plan Berlins 
(Tafel 6) gezeichnet hat, erblühte Friedrichswerder auf beinahe boden- 
reformerischer Grundlage. Straßen wurden abgesteckt, Baustellen ver- 
messen und an Baulustige in Erbpacht gegeben. Der niedrige jährliche 
Grundzins von drei Silbergroschen war die einzige direkte Abgabe der 
Ansiedler. Ihre Steuerkraft wurde aber den neuen Verbrauchssteuern (Ak- 
zise) dienstbar gemacht. ı 675 erneuerte der Kurfürst einen Gebrauch aus 
der besten Zeit mittelalterlicher Siedlungstätigkeit: er befahl die Versteige- 
rung aller noch unbenutzten Baustellen, Gegen Ende des vierzigsten Jahres 
der kurfürstlichen Regierung war das neue Städtchen Friedrichswerder 
bebaut. Ähnlich wurden später in Neu-Cölln die Baustellen »um ein bil- 
liges« an die Baulustigen ausgeteilt. Als wirksames Mittel gegen die Un- 
lust der Bodenkäufer und gegen die — allerdings noch ferne — Bodenspeku- 
lation wurde jedem, der mit dem Bauen zögerte, die Baustelle nach vier 
Wochen wieder abgenommen. 
Wenn die neuen Festungsgräben auch nicht für die Verteidigung be- 
nötigt waren, so hatten sie doch den Wasserstand und die Breite der Spree 
verringert, das sumpfige Gelände entwässert und auf allerdings kostspielige 
Weise brauchbaren Baugrund geschaffen. Ein großer Teil des vor und 
hinter den Wällen liegenden Geländes kam teils durch Kauf, teils durch 
einfache Beschlagnahme in kurfürstlichen Besitz und konnte so ohne wei- 
teres zur Förderung des Ausbaues der Stadt benutzt werden. Wo der Kur- 
fürst eine Entschädigung der früheren Besitzer für angebracht hielt, wurde 
sie in kürzestem Verfahren nach der Höhe des obrigkeitlich geschätzten 
Ackerwertes bemessen, so daß es sich eigentlich um Zwangsverkauf han-
	        
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