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VI. Der "Große" Kurfürst macht Berlin zu einer Festung Frankreichs

Full text: Das steinerne Berlin / Hegemann, Werner (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

sieben Zwölftel, statt wie früher drei Viertel der direkten Steuern zu zah- 
len brauchten. Doch gelang ihm bald, durch kräftigere Entwicklung der 
indirekten Steuern, d. h. also der schnell berühmten Akzise, die Haupt- 
last der Steuern noch viel mehr als früher für die Städte und besonders 
für Berlin-Cölln tragbar zu machen. Ein Esel ist selten so schwer be- 
lastet, daß er nicht noch weitere Lasten zu tragen vermöchte. 
Aber der Kurfürst wartete nicht, bis die neue Steuerernte aus den 
Städten einlief. Der Dreißigjährige Krieg war noch keine drei Jahre durch 
den Westfälischen Frieden zu Ende gebracht worden, als dieser »große« 
Fürst schon sich und seine Länder für neue kriegerische Taten reif er- 
achtete. Er begann deshalb mit der Plünderung der Vorstadt Düsseldorfs 
und brach, wie später sein Schüler Friedrich der »Große« manchmal in 
Schlesien oder Sachsen, mitten im Frieden in Jülich ein, auf das er die 
üblichen Erbansprüche hatte, womit damals die deutschen Fürsten meist 
enger als durch Liebe zum gemeinsamen Vaterland verbunden waren. 
Damals begann die Abneigung der Deutschen gegen Berlin, die später für 
lange Zeit sprichwörtlich geworden ist. Sogar der Anwalt der Hohenzollern 
und ihres Einbruches in Jülich, J.G.Droysen, machte zu diesem Berliner 
»Gewaltakt« von 1651 folgendes Bekenntnis: »Mit Mißachtung und Ent- 
rüstung nannte man den Namen Brandenburg: alle Gutgesinnten waren 
empört, daß es den teuer erkauften Frieden zu stören gewagt, die Gefahr 
eines neuen allgemeinen Brandes über das Reich gebracht habe.« 
Die Rolle der Raubritter, die früher den Frieden Deutschlands zer- 
störten, war durch den Dreißigjährigen Krieg auf einige Landesherren 
übergegangen, deren blutiger Eifer und überlegene Mittel dem deutschen 
Volke weit mehr Schaden zu tun vermochten als früher die adeligen 
Straßenräuber. Obgleich der »Große« Kurfürst zum Zwecke seines Ein- 
falls in Jülich die Zahl seiner Truppen schon wieder mehr als verdoppelt 
hatte, endete sein erster Bruch des Friedens doch noch unrühmlich für den 
Kurfürsten. Noch waren die brandenburgischen Heere klein. Auch mach- 
ten damals die adeligen Stände noch Schwierigkeiten und erklärten: »Im 
ganzen römischen Reich sollte wohl kein Exempel zu finden sein, daß nach 
geschlossenem Frieden den Untertanen ein mehreres sollte aufgebürdet 
und lauter nichts abgedankt sein... Bis hero haben die Soldaten den 
armen Leuten die Tränen ausgepreßt; nun wir in die Hand der Obrig- 
keit geraten, wollen wir nicht hoffen, daß dergleichen Sünde und Un- 
glück uns treffen werde.«
	        
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