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XXX. Berlins Freiflächen, Bodenwucher und Bodenpolitik

Full text: Das steinerne Berlin / Hegemann, Werner (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

der Einheitsgemeinde Berlin übergegangen sind, besitzt sie aus alten und 
neuesten Erwerbungen noch weitere 12000 ha, so daß die Stadt heute 
rund 22000 ha Wälder ihr eigen nennt, von denen etwa 13500 ha inner- 
halb und 8500 ha außerhalb der Stadtgrenze liegen. Wenn diese in guter 
Absicht gemachten Erwerbungen richtig verwertet werden, dann ist ein 
wesentlicher Teil der vor 56 Jahren von Gräfin Dohna aufgestellten For- 
derungen in Erfüllung gegangen. 
Die Verwirklichung ihrer prophetischen Forderungen läßt die Bau- 
ordnung erhoffen, die vom Städtebau-Direktor der Stadt Berlin Fritz El- 
kardt bearbeitet und 1925 rechtsgültig wurde. Nach dieser Bauordnung 
dürfen von den 87850 ha des Stadtgebietes nur 45887 ha für Wohn- 
zwecke und 3878 ha für Industriezwecke verbaut werden, wozu 216 ha 
für die Geschäftsstadt hinzukommen. Das gesamte Baugebiet beträgt dem- 
nach 49981 ha, also nur wenig mehr als die Hälfte des Gesamtgebietes 
der Stadt. Von den verbleibenden Flächen entfallen auf Dauerwald 9317 ha, 
auf Stadtwald 3295 ha, auf Freiflächen 19008 ha und auf Wasserflächen 
5117 ha. 
Es ist sehr wichtig für Berlin, daß die noch nicht als »Dauerwälder« 
festgelegten Stadtwälder und Freiflächen der Stadt im wesentlichen als 
Dauerwälder und Dauer-Freiflächen erhalten bleiben und daß auch der 
Fiskus die Randstücke der Wälder nicht bebaut, die er beim Verkauf zu 
späterer Parzellierung zurückbehalten hat. Die Einzelheiten dieser Ver- 
hältnisse, ebenso wie das ausgezeichnete Programm für den Schutz der 
Baumbestände und Naturschönheiten, für die Freihaltung der Uferwege 
an den Berliner Wasserflächen, für Dauer-Kleingärten und Sportplätze 
sind in der Denkschrift »Die Freiflächen der Stadtgemeinde Berlin« zusam- 
mengefaßt, die beweist, daß ihre Verfasser, Martin Wagner und Walter 
Koeppen, vom Geiste modernen Städtebaues durchdrungen sind, was von 
keinem Berliner Stadtbaurat der Vorkriegszeit behauptet werden konnte. 
Ähnliche Vorzüge wies die Berliner Bauordnung von 1925 auf, die aller- 
dings heute schon wieder veraltet ist, von deren trotzdem segensreicher 
Wirkung aber bereits die Rede war (oben S. 325 f.). Sie teilt das 45887 ha 
messende Wohngebiet der Stadt Berlin in ı1ı Bauklassen, in deren erster 
Klasse etwa 50 Einwohner auf dem Hektar wohnen können, eine Zahl, 
die sich von Bauklasse zu Bauklasse auf 550 bis 700 Einwohner in den 
noch immer viel zu dicht bebaubaren Klassen (1va, v und Va) steigert. 
Nach der städtischen Berechnung wohnen gerade in der dichtest und viel 
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