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XXX. Berlins Freiflächen, Bodenwucher und Bodenpolitik

Full text: Das steinerne Berlin / Hegemann, Werner (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

sisch gewordene Beispiel fiskalischen Bodenwuchers und staatlicher Schä- 
digung der Volksgesundheit. Im Lärm der gegenwärtigen und bevorste- 
henden Kämpfe um die neue städtische Bodenpolitik bleiben die früheren 
städtischen Kämpfe um das Tempelhofer Feld und das damals enthüllte 
Bild der amtlich legitimierten preußischen Korruption, dieser ewigen Ge- 
fahr des Berliner Städtebaues, eine erinnernswerte Warnung und die Recht- 
fertigung städtischen Eingreifens, Dieses Bild sei hier kurz geschildert, wie 
es sich aus der Erinnerung eines Mitstreiters und aus zahllosen zeitgenös- 
sischen Veröffentlichungen” ergibt. 
Seit 1903 dachte der Kriegsminister an den Erwerb eines neuen Trup- 
penübungsfeldes. Es sollte größer sein als das Tempelhofer Feld, das die 
Regierung gerade damals der viergeschossigen Bauordnung unterstellte 
und ausschlachten wollte. Mıt demselben Recht hätte sie mit einem Schlag 
den ganzen Tiergarten für Mietkasernen-Zwecke zum Verkauf stellen 
können (ein Unternehmen, das, wie erwähnt, bisher nur stückweise auf 
dem Wege sehr langsamer, aber stetiger Randbebauung — Tiergartenvier- 
tel, Zoologischer Garten, Reichstag, frühere Ausstellungshallen, Capitol, 
Ladenbauten, Planetarium — ausgeführt wird). Als dann mit der Aus- 
schlachtung des Tempelhofer Feldes Ernst gemacht werden sollte, reute 
es die Regierung sogar, daß sie dort nur den Bodenpreis viergeschossiger 
Mietkasernen herauszuholen unternommen hatte. Sie änderte deshalb im 
Jahre 1907 die Bauordnung, so daß künftig das ganze Tempelhofer Feld 
mit fünf („:att vier) Geschossen und mit 70 v. H. (statt 42 v. H.) Flächen- 
* Besonders aufschlußreich sind die von A. Lansburgh mit Umsicht und Vorsicht geleiteten »Mo- 
natshefte für Finanz- und Bankwesen, Die Bank «, denen die oben folgenden Zitate entnom- 
men wurden. Führer im Kampfe für die Rettung des Tempelhofer Feldes war der Groß Berliner 
Ansiedlungs-Verein (Vorsitzender Karl von Mangoldt), dessen Geschäftsführer der Verfasser bald 
Jlarauf wurde. An dieser Stelle mögen einige biographische Angaben des Verfassers Platz finden. 
Er lernte als Schüler des Berliner Baumeisters Otto March, der lange Jahre Führer der Bewegung 
für Groß Berlin gewesen ist, die Groß Berliner Probleme ursprünglich besonders von der künst- 
lerischen Seite her kennen. In demselben Sinne widmete er sich dann der Baugeschichte von Paris. 
Bei der französischen Revolution angelangt kam er jedoch unter den Einfluß des Sozialpolitikers 
Charles Gide und verfolgte auch später in Amerika und wieder in der Heimat (als Schüler Lujo 
Brentano’s) die großstädtischen Fragen von der volkswirtschaftlichen und sozialpolitischen Seite. In 
Philadelphia wurde er städtischer Wohnungsinspektor und 1909 in Boston Leiter der ersten Inter- 
nationalen Städtebau-Ausstellung. Die ähnliche Berliner Ausstellung, 1910, zu deren Leitung er 
von Otto March aus Boston berufen wurde — sie begleitete den Wettbewerb um den GroßBerliner 
Bebauungsplan —, hatte wichtige Fortsetzungen in Düsseldorf und London. Von den Arbeits- Aus- 
schüssen in Berlin und Düsseldorf wurde der Verfasser mit der Herausgabe des zusammenfassenden 
Werkes über die Ergebnisse der Ausstellungen beauftragt. Zwei Bände erschienen 1911 und 1913 
und enthalten einen Teil der Vorarbeiten für die vorliegende Arbeit »Das Steinerne Berlin«. Nach 
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