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XXIV. Folgen, Kritik und Verteidigung des polizeilichen Planes von 1858-62

Full text: Das steinerne Berlin / Hegemann, Werner (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

keit und dem Verbrechen, welche überall die Begleiter der sich selbst über- 
lassenen Armut sind, fährt zurück, um nie wieder die schreckliche Gegend 
zu sehen, und salviert ihre Seele durch einen Geldbeitrag an eine Armen- 
kommission.« 
Über diese Verteidigung der Berliner Mietkaserne schrieb Rudolf 
Eberstadt: » Eine schärfere Verurteilung der Mietkaserne läßt sich kaum 
finden, als sie in den Worten des Verteidigers ausgesprochen ist, mit ihrer 
knappen Charakterisierung des Bausystems und ihrer ungeheuerlichen 
Verkennung und Herabdrückung des Standes der werktätigen Bevölke- 
rung. Eine minderwertige Bauform für untergeordnete Kostgänger aus 
dem Hinterhause — das sollte die Mietkaserne nach den Absichten ihrer 
Urheber sein, und das ist sie geworden. Bei der Herrschaft solcher Auf- 
fassungen bedarf es allerdings keiner weiteren Erklärung für die Herbei- 
führung der in Berlin herrschenden politischen Zustände.« 
Die sozialpolitische Quacksalberei James Hobrecht’s entsprach der 
städtebaulichen Weisheit der Preußischen Regierung auch noch lange, 
nachdem ihr Verfasser aus dem Polizei-Präsidium zum Berliner Stadtbau- 
rat (1885) aufgerückt war. Als die Regierung endlich dem Drucke der 
wohnungsreformerischen Aufklärung zu weichen anfıng und — allerdings 
ungeschickt und meist erfolglos — in den Berliner Vororten eine Bauord- 
nung einführen wollte, die dem Kleinhause günstiger war, setzte der da- 
mals achtundsechzigjährige Hobrecht hartnäckig seinen Einfluß gegen die 
Regierung ein. Im Berliner Architekten-Verein und in der »National-Zei- 
tung« (21. und 28. ı. 1893) wiederholte er wörtlich seinen veralteten Un- 
sinn von 1868. Trotz schrankenloser Entwicklung der von Hobrecht ge- 
priesenen Mietkaserne bildeten sich in Berlin Arbeiter-Wohnviertel genau 
wie in London und anderen Großstädten. 
Glücklicherweise gab es in Berlin auch Männer, die London mit bes- 
seren Augen besuchten, als der Gewährsmann der Preußischen Regierung 
je zu öffnen vermochte. Einer der verständnisvollsten Erforscher des eng- 
lischen Wohnwesens und seiner Vorteile war damals Julius Faucher, von 
dem im nächsten Kapitel die Rede sein wird. 
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